Auf des toten Mannes Kiste

London eben (ii)

Ob es an dem Loch in der Gardine lag, an den runden wie Bullaugen in die Wand eingelassenen Leuchten des Hotelzimmers oder aber einfach an dem Umstand, dass er vor der Abreise wieder einmal Robert Louis Stevensons Schatzinsel gelesen hatte –, er konnte sich in London nur schwer des Eindrucks erwehren, auf einem Piratenschiff oder einer Freibeuterfestung gelandet zu sein.

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tado ink • 07.03.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Auf des toten Mannes Kiste

London eben (i)

Auf des toten Mannes Kiste

London ruft. Tick tock, Tick tock, Tick tock. Unüberhörbar. Tick tock, Tick tock, Tick tock. Und ab durch die Mitte. Mit Gwen Stefani als White Rabitt und easyJet als Luftbrücke. Uuuuuuuuuuuuh. Ein Nebelhorn in der Ferne, eine Taschenuhr in der Nähe. Tick tock, Tick tock, Tick tock. Keine Chance, die Signale zu überhören, kein Wachs zur Hand, sich die Ohren zu verstopfen. What you waiting for? What you waiting for? wummert und flötet es in den Gehörgängen. Die Pupillen drehen sich nach innen, Adrenalin steigt auf und zerfunkelt wie Feenstaub knapp unter der Hirnschale. Twist it round again and again.

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tado ink • 01.03.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Barockes Bielefeld

Poesie & Prosa

So will der Liebe Feld nun lauter Blumen tragen; / Weil hier die Lieblichkeit ihr Läger auffgeschlagen. / Du werthe Liebe Stadt / laß durch die Liebe dann / Dein Hertz mit Gott versöhnt / dem Himmel kleben an.

(Weil man in dieser Stadt eine grössere Galanterie und Nettigkeit findet / als andern benachbarten Oertern / mögte man fast sagen / daß die Gratiae oder Göttinnen der Liebligkeit daselbst residirten.)

Barockes Bielefeld

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tado ink • 21.02.2014 | Kunstkammer | Kommentieren
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Aus dem Leben des Heiligen Hubertus

Nach den Legenden

Aus dem Leben des Heiligen Hubertus

In den alten Zeiten, wo die Legenden noch geholfen haben, lebte in den Ardennen ein junger Mann, der landauf landab bekannt dafür war, ein unerbittlicher und furchtbarer Jäger zu sein. Sein Name war Hubertus oder in der Sprache der Leute Hubert le Prevost. Er stammte aus vornehmen Hause. Sein Vater war Bertrand, der Herzog von Aquitanien, seine Mutter Hugberne, eine weit über Toulouse hinaus als besonders gottesfürchtig verehrte Dame.

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tado ink • 16.02.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Wie schön frischer Schnee doch ist

27. Januar 2014

Die Lage? Wie gehabt, wir liegen vor Neufundland und nicht, wie böse Zungen behaupten, in einer Mulde am Fuße des Teutoburger Waldes, genauer befinden wir uns am Flämischen Kap oder an der Flämischen Kappe: 44 Grad 10' nördlicher Breite, 66 Grad 2' westlicher Länge. Hier, wo die kalten Wasser des Labradorstroms auf die warmen des Golfes treffen, ist ein Jahr wie ein Tag. Die Zeit nimmt ihren Lauf wie die Schnecke ihren Gang im Weinberg des Herrn. Wir drehen uns im Kreise, treiben in einer Strömung, die uns in einem fort an Punkte führt, die wir vor einiger Zeit bereits passiert haben. Was schön ist. Die Triebwerke sind abgeschaltet, die Segel eingeholt. Wir kreisen und kreisen und kreisen ...

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tado ink • 27.01.2014 | Logbuch | Kommentieren
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Geharnischter mit roter Armbinde

Ein Porträt Anton van Dycks

Geharnischter mit roter Armbinde

Es gibt Bilder, die einen nicht wieder loslassen, die einen verfolgen und, obgleich über Jahre vergessen, plötzlich erneut in der Erinnerung auftauchen. Zwanghaft gleichsam, obsessiv. So erging es mir unlängst mit einem Porträt Anton van Dycks, an das ich eine halbe Ewigkeit nicht gedacht hatte, das aber plötzlich wieder da war und von mir verlangte, ihm ein paar Worte zukommen zu lassen: Van Dycks »Bildnis eines Geharnischten mit roter Armbinde« (1625-27).

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tado ink • 15.01.2014 | Kunstkammer | Kommentieren
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Der Triumph der Unschuldigen

B.H. Brockes

Ihr Kinderchen, die ihr in einem hellen Zug / Zu uns, die stets allhier ein lechzend Sehnen plaget, / An eurer Stirn und Haupt des Heylands Namen traget, / Ihr Schäfchen ohne Falsch, ihr Täubchen ohne Trug, / Ihr Opfer voller Glanz, die ihr nun abgeschlacht't / Und rein gewaschen seyd in der Versöhnungs-Fluht / Des Lammes, und gefärbt von eurem eignen Blut, / Ihr Erstlinge, die man dem ew'gen HErrn gebracht.

 

Der Triumph der Unschuldigen

Holman Hunt: The Triumph of the Innocents | 1883/84

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tado ink • 25.12.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Vom Pumpernickel und dessen Verwandlung

Georg Christoph Lichtenberg

Mit dem Schinckenkauf ist es jezt gantz ausser der Zeit, die Leute haben fast meistens nur noch einen oder 2*), die sie nicht gerne oder doch nur wohl bezahlt hergeben. Pumpernickel kan man allemal haben, denn die Westphälinger (Gottlob, daß die Seite herunter ist)

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tado ink • 17.12.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Über den Abbé Galiani

Melchior Grimm

Über den Abbé Galiani

Dieses winzige, am Fuße des Vesuvs geborene Individuum ist wirklich ein Phänomen. Hinter dem strahlenden, durchdringenden Glanz seiner Erscheinung ruht eine breite und solide Gelehrsamkeit; und mit den Einsichten eines Mannes von Genie verbindet sich bei ihm die Lebhaftigkeit und der Charme dessen, der zu amüsieren und zu gefallen versteht. Ein Platon mit dem Verve und den Gesten eines Harlekin: er ist der einzige Mensch, den ich je kennengelernt habe, der diffus ist und dabei doch stets ein angenehmer Begleiter bleibt.

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tado ink • 09.12.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Es wird Winter

09.50 a.m. | Gestern

Eiskristalle schwirren in der Luft und tanzen.

Ein Martinshorn rauscht mit schrillem Schrei vorbei.

Im Kirschbaum eine Elster, die, von der Sonne berührt, ihren Darm entleert.

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tado ink • 27.11.2013 | Logbuch | Kommentieren
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unverhofft kommt oft

kapitel 1 | toteiskessel

»Neukloppsooo?«

»Globsow, Thomas, nicht Kloppso. Neu ... Glob ... Sow. Mit einem weichen ›g‹ in der Mitte und einem stimmlosen ›w‹ zum Schluss. Capisce?«

»Never heard of. Muss man?«

»Was muss man schon.«

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tado ink • 14.11.2013 | Toteiskessel | Kommentieren
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Rotkohlsuppe mit Paprika

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy

Gerüchten zufolge soll das Verhältnis von Nicolas Sarkozy zu Angela Merkel lange nicht so einvernehmend und herzlich gewesen sein, wie es in der Öffentlichkeit kolportiert und wahrgenommen wurde. Von Frédéric Mitterand, dem Kulturminister, auf besagte Gerüchte angesprochen, soll Sarkozy erwidert haben: Nein, mit Frau Merkel laufe alles bestens. Sein einziges Problem mit Angela, wirklich sein einziges, sei, wenn sie ihn einlädt und darauf besteht, sich um die Küche zu kümmern.

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tado ink • 30.10.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Zeichnungen

François Boucher

Sieben Zeichnungen

Auch auf die Gefahr hin, mich als Mann von Geschmack in Verruf zu bringen: ich mag François Boucher. Nicht unbedingt alles, was der Lieblingsartist der Pompadour und Großmeister des französischen Rokoko ins Werk gesetzt oder hat setzen lassen, aber doch so manches, etliche der Zeichnungen etwa, die es von seiner Hand gibt. Sie gehören, wenn ich so sagen darf, zum Entzückendsten, Betörendsten, ja Schönsten, was auf diesem Gebiet zu finden ist. So leichthändig, so ungezwungen und berückend, so hübsch.

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tado ink • 21.10.2013 | Kunstkammer | Kommentieren
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Unweit von Honfleur

Momentaufnahme

Da saß ich also auf meiner Hühnerleiter, spät abends, eine Zigarette rauchend. Nebenan, in ihrem heckenumgürteten Häuschen, die Alte, ein Pflegefall. Vom Gestüt her das Necken und Kichern zweier, die sich lieben, tief im Westen, aus dem Dunkel, der Schrei eines Käuzchen, ein ums andere Mal.

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tado ink • 16.10.2013 | Kunstkammer | Kommentieren
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Josef W. Stalin

Anekdoten

Josef W. Stalin

Bei einem Kongress überreichte ein usbekisches Mädchen Stalin Blumen. Stalin nahm das Kind in die Arme und lächelte in die Kameras. Das Photo wurde später millionenfach verbreitet. Zwischen den Aufnahmen flüsterte Stalin, der Freund aller Kinder, dem neben ihm stehenden Berija etwas auf Georgisch ins Ohr: „Momaschore et tiliani." Das Mädchen behielt den Satz bis an ihr Lebensende: Aber erst sehr spät erfuhr es, was es mit dem Satz auf sich hat: „Schaff mir bloß die verlauste Göre vom Hals!"

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tado ink • 11.10.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Nachdenken über Christa W.

Stichwort Widerstand

Man stelle sich vor: auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED, wir zählen das Jahr 4 nach dem Mauerbau, wagte es Christa W., damals gerade mal 36 Jahre alt, freie Schriftstellerin und Kandidatin des ZK, doch tatsächlich, sich zu Worte zu melden.

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tado ink • 30.09.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Chenonceau(x)

22.30 mez | 13. August 2013

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tado ink • 23.09.2013 | Lichtspiele | Kommentieren
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Was vom Sommer übrig bleibt

Eine Postkarte

Nicht dass einer auf den Gedanken kommt, Pop ’em up sei eingeschlafen, sende nicht mehr, sei im Grunde tot. Keineswegs. Wir sind hellwach. Unsere Losung im Moment: weniger ist mehr. Statt jeden Puuups rauszuhauen, bringt Pop ’em stets nur das Wichtigste, den Rahm mithin oder die Sahne, die beim Totschlagen der Zeit übrig bleibt. So eine der Postkarten, die uns dieser Tage erreichte. Sie stammt von Kneeb Wenedikt Kommandor.

Was vom Sommer übrig bleibt
tado ink • 11.09.2013 | Logbuch | Kommentieren
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Luftpumpe & Abzieher

Das Jahr ’68 vom Senner Forst aus

Auch Pop ’em up begibt sich in die Sommerpause. Zum Abschied (und damit das Warten nicht zu lang wird) gibt es einen »Klassiker« mit Holger Feltes und Jochen Gitzke. Bitte schön.

tado ink • 07.08.2013 | 1969 | Kommentieren
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Hundstage

Ein Bericht

Alles döst, Götter, Menschen und Maschinen, nur die Sonne nicht, deren Kraftwerk auf Hochtouren läuft, während sie ihre Strahlen glühend über das Land und die Städte schleudert. Auf den Straßen ist kaum was los, einige wenige Autos kriechen träge durch oder über den aufgeweichten Asphalt, die meisten haben sich in Parkbuchten, Garagen oder auf Abstellplätzen zur Ruhe begeben. Ohne Murren verdorren auf den Mittelstreifen der Fahrbahn die Gräser und Blumen, hier und da sieht man einen Passanten, der im Schatten der Platanen verschwitzt nach Luft schnappt. Alles döst.

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tado ink • 29.07.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Eurokrätze

Eine Art Pastiche

Nun erst verstehe ich, woher der Ärger und Unmut stammt, der mich seit geraumer Zeit quält, unfähig auch nur die kleinste Kleinigkeit, auf die ich stoße, halbwegs gelassen zu ertragen. Eine Bagatelle reicht, und ich könnte an die Decke gehen. Die Baustelle vor unserem Haus zum Beispiel. Nichts gegen Baustellen, die müssen sein, heißt es. Aber diese, ich weiß nicht. Mal befindet sie sich direkt vor dem Haus, mal hundert Meter weiter links, mal hundert Meter weiter rechts die Strasse runter; gerade beginnt man, an eben der Stelle, an der vor Wochen bereits eine Grube ausgehoben und wieder verschlossen wurde, erneut damit, das Pflaster aufzureissen. Meine Nerven liegen blank. Sobald ich das Wort Baustelle nur höre, beginnt der linke Fuß unwillkürlich zu zucken, ich schüttle den Kopf und kann nicht anders, als mich wieder und wieder unter den Achselhöhlen zu kratzen.

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tado ink • 03.07.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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I‘m Waiting Here

David Lynch & Lykke Li

Jetzt, da die Tage immer länger werden, eine Reise ans Ende der Nacht:

tado ink • 17.06.2013 | Lichtspiele | Kommentieren
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Tanz in den Mai

August Hermann

Tanz in den Mai

 

Eeeene, mene, Hopfenstiel, Pökelquatsch und Schabernack, Ochsenschwanz und Ackerknecht, Holiwanz und Rumpeltanz, Plötzensee und Furzengrund. Hauptsache Gesund!

Eeeene, mene, Rosenhanf, Hundetanz und Mösenkranz, Warzenkuh und Muffelwanst, Haselbogen, Affenrogen, Schwefeldunst und Markenkunst. Das alte Spiel: Brunst und Gunst.

 

tado ink • 04.05.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad #8

Paul, der jüngste der sieben Brüder, war der letzte, der in den Krieg zog, und der letzte, der nach Hause fand. Man schubste ihn einfach aus dem Waggon, als der Zug, in dem er, von Bremen kommend, saß, durch seinen Heimatort rollte. Die paar Sachen, die er bei sich trug, überließ er Heinrich, dem Bruder, der bereits wieder auf dem Bahnhof Dienst tat. »Ihr könnt mich alle mal«, sagte Paul und ging ins nächste Gasthaus, sich betrinken.

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tado ink • 29.04.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad #7

Hans, um vier Jahre jünger als Heinrich, hatte lange nicht so viel Glück wie dieser, als der Krieg an sein Ende gelangte. Am eigenen Leib sollte er erfahren, was es heißt, als Offizier des Dritten Reiches wenn nicht in russische, so doch in amerikanische Gefangenschaft zu geraten. Er kam erst ein Jahr nach Kriegsende wieder nach Hause, furchtbar abgemagert, um drei Zähne, seine Litzen und den Glauben ärmer, für die rechte Sache gekämpft zu haben.

 

Sieben Brüder

Franz Radziwill: Deutschland 1944

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tado ink • 05.04.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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