Kalifornisches Tagebuch

Thursday, January 13th, 1994

Der Bobbitt-Case geht in die zweite Runde. Letztes Jahr im Herbst – sofern man sich erinnert – stand der Mann vor Gericht, John Wayne Bobbitt. Er wurde damals aus Mangel an Beweisen von dem Vorwurf freigesprochen, seine Ehefrau wiederholt sexuell genötigt zu haben. Jetzt steht sie selbst, Loreno Bobbitt, vor Gericht. Ihr wird zur Last gelegt, in der Nacht des 23. Juni vergangenen Jahres zuerst ihren Mann kastriert, sich dann ins Auto gesetzt und dessen Gemächt Meilen von zu Hause entfernt im Fahren aus dem Fenster geworfen zu haben.

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tado ink • 14.01.2012 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Sanctus Januarius

8. Januar 1697

Sanctus Januarius

Wir halten Kurs. Straight North. Draußen regnet es in Strömen. Von zu Hause keinerlei Nachricht. Lord Bellamont hüllt sich in Schweigen oder hat besseres zu tun, als sich Gedanken über die Lage an Bord der Mortobello zu machen. Séchard hat wohl Recht. Man ist auf dem Kontinent viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass man dort auch nur irgend etwas von dem bemerkt hätte, was hier draußen vor sich geht.

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tado ink • 08.01.2012 | Logbuch | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Jahreswechsel mit Blick auf Las Vegas

Interessant die Berichterstattung über Neujahr in den Zeitungen. New Year's Eve, das ist hier – weit mehr als bei uns – die Zeit der Großen Parties, der Augenblick der Celebrities und Stars. Die Berichterstattung darüber zieht sich über Spalten, füllt ganze Seiten. Wer wird mit wem, wie gekleidet, auf welcher Party erscheinen, was passiert wo, wenn das Jahr sich wendet und neu beginnt?

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tado ink • 04.01.2012 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Zwischen den Festen

Das Bild des Jahres

Heiligabend vorbei – ganz Deutschland liegt auf dem Sofa und reibt sich bräsig den Wanst. Von wegen Krise. Süßer die Kerzen nie funkelten. Von wegen Schulden. Wir suhlen uns im Fett und am Abend gibt's die Agonie Europas direkt aus Schloss Bellevue, hoheitlich illuminiert. Mir war schon am frühen Morgen des ersten Weihnachtstags speiübel. Und ich fragte mich, ob man nicht ganz einfach mit dem Essen aufhören und zum Hungerkünstler werden sollte.

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tado ink • 29.12.2011 | Kunstkammer | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Heiligabend, morgens

Zurück aus Southern California und Las Vegas, Nevada. Unfaßbar, einfach unfaßbar, von der wüstenartigen Landschaft über das gleißende Licht und die trockene Luft bis hin zu den urbanen Environments, die sich darin krebsartig ausbreiten. Südlich von Tehachapi hört Europa einfach auf. Jenseits von Santa Barbara beginnt das wahre Amerika. West of the west: Los Angeles und sein Trabant Las Vegas, Traumstädte der Postmoderne und Höllenkreise des real fortschreitenden Kapitalismus. Ich könnte weder in der einen noch in der anderen Stadt leben (für einen Geistesmenschen schon deshalb unmöglich, weil es keine Promenaden oder sonstige Orte gibt, an denen man ungestört nachdenken oder lesen kann). Aber sie kurzfristig zu bereisen, wie man ein fremdes, unbekanntes Land bereist, das elektrisiert. »It kicks ass«, mit Beavis and Butt-head zu sprechen.

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tado ink • 24.12.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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La Nuit

Les Choristes

Ohne Kommentar und Untertitel (zur Einstimmung auf Weihnachten nur): 3 Minuten 07 aus einem Film, den ich sehr mag. Er lief hierzulande 2004/05 unter dem Titel ’Die Kinder des Monsieur Mathieu’; Regisseur war Christophe Barratier.

 

tado ink • 21.12.2011 | Lichtspiele | Kommentieren
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Aus dem Leben der Marie Antoinette

Was Sofia Coppola uns verschwieg

Aus dem Leben der Marie Antoinette

Als der Mob von Paris 1789 Versailles stürmte, verabsäumte er es nicht, in Gestalt eines Stoßtrupps die Gemächer der Königin aufzusuchen, die der Marie Antoinette – seit der Halsbandaffäre die Reiz-, Skandal- und Hassfigur des in revolutionären Wallungen schwelgenden Paris. Bei dem Besuch ging einiges zu Bruch, Flüche und Geifer wurden laut. Sie solle sich vorsehen, bei nächster Gelegenheit werde man ihr, Marie Antoinette, das Haupt abschlagen, man werde ihr Herz verspeisen und ihre Leber zerstückeln, um aus ihr Eintopf zu machen. Da könne sie sich sicher sein, so viel stünde fest. – In gewisser Weise hielt der Mob Wort. Nach einem demütigenden und perfiden Schauprozess fand Marie Antoinette, die letzte wahre Königin Frankreichs, im Oktober 1793 den Tod auf der Guillotine.

tado ink • 17.12.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

10. Dezember

Woooooooow. Ich habe Amerikas Antwort auf political correctness entdeckt: Beavis and Butt-head. Da zuhause nicht verkabelt, bin ich auf diese Cartoonfiguren viel zu spät erst, hier in San Francisco, gestoßen. Ziemlich funny die beiden, höchst amüsant, dabei ätzend. Jungs in der Pubertät. Ohne ein Quentchen Esprit. So scheint es.

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tado ink • 14.12.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Lana del Rey

Chateau Marmont, LA

Just watch this.

tado ink • 12.12.2011 | Lichtspiele | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

9. Dezember

Alles ist grau. Der Horizont ist verschwunden. Das Meer ist wie der Himmel, der Himmel wie das Meer. Ein Anflug von Winter in Kalifornien.

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tado ink • 08.12.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Gen Norden

6. Dezember 1712

Haben, wie geplant, am Wendekreis des Krebses einen scharfen U-turn hingelegt und sind bester Laune. Heute morgen sah ich, wie Hawkins beim Aufwischen unter Deck vergnügt mit Blackbeard herumtollte, unserm Kater, der sich bislang kaum hat sehen lassen; sie rissen sich um den Feudel. Es geht nach Norden, immer weiter nach Norden.

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tado ink • 05.12.2011 | Logbuch | Kommentieren
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Preußen

Später

Durch seine Geburt geworfen in die Wirbel eitlen Dunstes, / Die der Pöbel nennt Ruhm und Größe, / Die aber der Weise als nichtig erkennt. / Ausgesetzt allen Leiden der Menschheit. / Geplagt von den Leidenschaften der anderen, / Getrieben von den eigenen. 

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tado ink • 03.12.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Für Lana del Rey

Die gerade eben vorübergeht

Plötzlich stand sie da, einfach so in der Tür –, und es gab kaum einen im Saal, dem es nicht die Sprache verschlagen hätte. Sie stand nur so rum, die Schulter lässig am Türrahmen gelehnt, sich eine Locke aus den Augen streichend, herausfordernd, ein wenig verängstigt auch, auf die vielen Leute schauend. Dann setzte die Musik aus, Stille im Saal, Scheinwerfer irrten durchs Dunkel, bis einer ihrer Strahlen sie erwischte. Und da griff sie zum Mikrophon und begann, in ein tiefblaues Licht getaucht, zu singen, sich dabei leicht in den Hüften wiegend, Lana del Rey – ein Lächeln wie das eines Engels, eine schlangengleiche Figur, ähnlich der eines Pin-ups, ein Kostüm, derart süß und glitzernd, als ob die Diva es höchstselbst gerade eben aus einem Hochglanzmagazin der 60er Jahre bezogen hätte.

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tado ink • 30.11.2011 | Kunstkammer | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

26. November

Letzte Nacht hat sich ein Mann aus Daly City von der Golden Gate Bridge gestürzt. Mit sich in den Tod nahm er seine zweijährige Tochter. Die Leiche des Mannes war schnell gefunden, die des kleinen Mädchens wird immer noch gesucht.

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tado ink • 26.11.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Heinrich von Kleist

✝ 21. November 1811

Heinrich von Kleist

Alle Blätter sind an diesem Wochenende voll mit seinem Namen, ganz Deutschland schwelgt in Erinnerungen an einen, der vor 200 Jahren erst der Freundin, dann sich selbst eine Kugel in den Leib und Kopf jagte. In einem seiner letzten Briefe hatte er der Schwester geschrieben, die Wahrheit sei, daß ihm auf Erden nicht zu helfen ist. Kurz darauf ließ er für sich und Henriette vom Gasthof, in dem sie logierten, eine Kanne Kaffee am Ufer des Wannsees auftragen. Es war ein grauer, kalter Tag.

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tado ink • 21.11.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Was tun?

16. November 1712

Fortdauernd prächtiges Wetter, der Wind kommt sacht und stetig aus östlicher Richtung, wir halten Kurs auf dem Mid Atlantic Ridge. Im Moment geht es gen Süden, wir befinden uns einmal mehr kurz vor dem Wendekreis des Krebses. 45. Längen-, 272. Breitengrad, Nördliche Halbkugel, um exakt zu sein. Sobald der Krebs im Netz ist, werden wir wenden und dann ohne Unterlass auf den Norden zuhalten, an Neufundland vorbei, auf Grönland zu. So der Plan.

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tado ink • 16.11.2011 | Logbuch | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Anfang November

Unter mir der Andreas-Graben, über mir das Blau des Himmels, in der Ferne der Pazifik. Kein Regen. »It never rains in (southern) california« – nicht einmal jetzt, Anfang November. Um Los Angeles herum brennen die Wälder, Teile Malibus sind von den Feuerstürmen bereits verwüstet und nicht einmal Michael Jacksons »Neverland«-Ranch, heißt es, zollten die Flammen Respekt. Auch sie sei bedroht. Apocalypse as usual. Sage ich mir. Es gehen Cherubin um im Garten des Herren.

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tado ink • 13.11.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Noch einmal Berlin

Vom Nullpunkt aus

Tageslicht. Wir sind in Berlin. Durch eine zerbröckelte Bahnhofshalle gelangt man ins Freie. Dieses hier war immer eine graue, armselige und unsichere Gegend. Und da stehen also die bekannten, alten finsteren Mietskasernen. Ich sehe sie wieder, am Bahnhofsplatz. Ja, das ist Berlin.

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tado ink • 09.11.2011 | Lichtspiele | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Dienstag, 2. November

Halloween ist vorbei. Gott sei Dank. So puritanisch Amerika ist, ähnlich England, seinem Mutterland, beherbergt es jede Menge Exzentriker, die nur auf eine Gelegenheit warten, ihrer Lust am Exzeß zu frönen. Halloween bietet dazu die beste Gelegenheit.

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tado ink • 07.11.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Halloween – zugleich mein Namenstag

Heute ist die Zeit um eine Stunde zurückgestellt worden. Das heißt, zwischen Europa und mir liegen jetzt wieder neun Stunden. Hin und zurück. Fragt sich nur, wer vorn liegt, wer hinten? Europa oder Amerika?

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tado ink • 05.11.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

29. Oktober

Die Leland Stanford Junior University schmückt ein altdeutsches Motto: Ulrich von Huttens »Die Lüfte der Freiheit wehn«. Auf dem Campus Drive West aber sieht man kaum einen Deutschen; sie halten sich hier wie andernorts in Amerika bedeckt. Beherrscht wird der Campus Drive vielmehr von Wissenschafts-Cowboys, die mit ihren Ford Mustangs den Staub auf dem Asphalt aufwirbeln, bevor sie sich in ihren Büros oder Laboratorien an die Arbeit begeben.

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tado ink • 02.11.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Das ist Pop

Fabriziert in Japan

Wenn das kein Pop ist, weiß ich nicht, was Pop ist. Und in welchem Jahr ist dieses Photo entstanden? ’69 natürlich. Wann sonst?

Das ist Pop

Daida Moriyama: Untitled | 1969

tado ink • 27.10.2011 | 1969 | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Ende Oktober

In San Francisco scheint die Alte Welt wie gebannt, schemenhaft, verloren im Nebel, der sich vom Meer her jeden Tag von neuem über die Stadt legt und sie unsichtbar macht. Dazwischen aber, zumal jetzt, jede Menge lichter Momente, ein überhell strahlender Sonnenschein, als läge die Stadt nicht am Meer, sondern im Hochgebirge.

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tado ink • 26.10.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Mitte Oktober

Lese gerade William T. Vollmanns Rainbow Stories, Reportagen und Geschichten aus Downtown, San Francisco. Leben in der Bay Area – die Tenderloin als Modell. Schlaglichter aus der Welt multikulturellen Elends, Streifzüge auf der Kehrseite des postmodernen Spektakels, grelle und irrwitzige Bilder aus der Welt der Huren und Zuhälter, der Skins, Gangs und Homeless.

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tado ink • 23.10.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Anfang Oktober

Lebe seit gestern im Sunset, in einem Zimmer mit Aussicht (Pazifik!). Die Gegend ist sehr Suburbia, David-Lynch-mäßig. Vor dem zweiten Weltkrieg war das Sunset noch eine riesige Pazifikdüne, Sand fast bis hoch zu den Twin Peaks. Jetzt ist es in Straßen (von Anzoa bis Wowona) und Avenuen (von der 1. bis zur Ich-weiß-nicht-Wievielten) eingeteilt. Alles schön rasterförmig.

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tado ink • 19.10.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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