Kalifornisches Tagebuch

Ende September

Gestern, als wir mit dem Wagen von der Bay zurück nach Hause kamen (Frisbeewerfen an der Marina), gellten unmittelbar hinter der Mission, unweit Naples, plötzlich Schreie los. Dinge flogen durch die Luft, Tüten, Klamotten, nichts, was man hätte identifizieren können. Eine Rotte von Kids stob in heller Panik auseinander, aufgescheucht von Cops, die sich – augenscheinlich – mal wieder genötigt sahen, etwas gegen Gangs, Drogenmißbrauch und andere Übel der Straße zu unternehmen. Die Gegend ist heiß, so oder so. Excelsior eben.

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tado ink • 12.10.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Mitte September

Der Schleier lüftet sich, die Dinge werden klarer, nehmen Kontur an. Von Deutschland aus glaubt man, Amerika sei ein Klacks, etwas, was sich kurzerhand in die Tasche stecken ließe. Aufgewachsen in der BRD, mit Englisch als Pflichtfach und jede Menge Pop im Kopf, glaubte ich, die Neue Welt sei etwas Altbekanntes, mir bis ins Mark Vertrautes. Allein das entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Augenwischerei.

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tado ink • 08.10.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Kalifornisches Tagebuch

Kurt Cobain et al. †

Jetzt schon bald 24 Stunden in Amerika. Von dem Land selbst noch so gut wie gar nichts gesehen. Ein Blick auf die Skyline von Boston, vom Flugzeug aus, einige Impressionen der Küste, wunderbar verwoben mit vielen Einbuchtungen, kleinen Inseln und Häusern, die mit ihren viktorianischen Fassaden an Good old England erinnerten, eingebettet in eine wilde weite Landschaft, wie die der Lederstrumpfgeschichten.

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tado ink • 05.10.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Des Fischers Liebesglück

Anna Prohaska & Eric Schneider

Es gibt sie also wirklich, Sirenen, Undinen, Nixen u.a. –, und wer es nicht glaubt, ist selber schuld.

tado ink • 28.09.2011 | Kunstkammer | Kommentieren
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Albuquerque

New Mexico

Ich wollte immer schon mal gern nach Albuquerque fahren. Weiß selbst nicht warum. Vielleicht spielte einer der vielen Western, die ich am Sonntagnachmittag als Kind im Bali gesehen habe in Albuquerque, vielleicht auch wegen des Namens, der an gar nichts erinnert und damit alles verspricht, weiß nicht, wie gesagt, aber ich wollte schon immer gern nach Albuquerque. – Hätte ich gewusst, dass es in Albuquerque nicht viel anders ausschaut als in Las Vegas, wer weiß, ob ich dann immer noch gern nach Albuquerque hätte fahren wollen. In Las Vegas war ich nämlich bereits. Dazu später mehr.

Albuquerque

Ernst Haas: Route 66 Albuquerque, New Mexico | 1969

tado ink • 23.09.2011 | 1969 | Kommentieren
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Einige Flüche

Stefan Schmitzer

scheiß sozialer frieden.

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tado ink • 19.09.2011 | Kommentieren
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Berlin stadteinwärts

Eine Hommage

"Arm, aber sexy", heißt es, sei Berlin. Aber stimmt das auch? Ein Film auf der Suche nach einer Antwort.

tado ink • 12.09.2011 | Lichtspiele | Kommentieren
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Achtung “Nachhaltig”!

Eine Polemik in nuce

Achtung “Nachhaltig”!

Selbst auf die Gefahr hin, in ganz üble Gesellschaft zu geraten, ich kann mir den Satz nicht verkneifen: Immer wenn ich das Wörtchen „nachhaltig" oder „Nachhaltigkeit" höre, entsichere ich meine Magnum. Selten ist mir ein Wort so auf den Keks gegangen. Nicht nur dass Hinz und Kunz mit dem Wörtchen „nachhaltig" inzwischen nur so um sich werfen und es in Zusammenhängen benutzt wird, in denen es ganz und gar unangemessen ist, nein, was mich an dem Wort in Rage bringt, sind die ultrakonservativen Implikationen, die es birgt und transportiert. Man achte drauf.

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tado ink • 08.09.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Ganz kurz vorm Ende der Ferien

Lago Maggiore, 20. August 2011

Vor mir, unten am Strand, ein Goldlöckchen, das sich auf einem Liegestuhl mit Tigerlaken räkelt, als triebe sie es mit der Sonne höchstpersönlich, hinter mir, es ist gerade erst vier Uhr nachmittags, setzt ein deutsches Elternpaar dazu an, unter furchterregenden Gebrüll seine drei Kleinen mit Sandwiches, Eiscreme und Cola abzufüttern, plötzlich, ich bin gerade dabei, mich wieder in das Buch zu versenken, das ich mitgebracht hatte, um in ihm zu schmökern, spricht mich von der Seite ein Zwerg an, weiblich, der Kleidung nach zu urteilen, italienischer, vielleicht halbchinesischer Abstammung: Ob er (oder besser sie) sich zu mir an den Tisch setzen dürfe? Bevor ich noch zu antworten in der Lage bin, sitzt sie (oder er) bereits am Tisch, zückt mit der Linken die Kamera und beginnt damit, die Sodadose abzulichten, die sie sich gerade besorgt hat, perlend frisch, in allen erdenklichen Positiuren, vor dem Hintergrund am Horizont lagernder Bergketten. – Wie schön der Lago Maggiore doch ist, denke ich, wunderschön geradezu, vom Ufer Stresas aus betrachtet, in einem Kiosk am Strand sitzend, im Schatten.

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tado ink • 01.09.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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So wenig Leben wie gestern Abend war nie

Ein Wort zur Berliner Schule

Wenn sie doch nur in der Lage wären, Filme vom Schlage „Schneewittchen“ abzuliefern, dachte ich, als ich gestern Abend vor dem Fernseher saß und mir den ersten Teil von „Dreileben“ ansah, einer ambitionierten Film-Trilogie aus dem Hause Dominik Graf. Aber nein, das sind sie nicht, dazu sind sie ganz und gar nicht in der Lage. Weder der Chef selbst noch Christian Petzold oder Christoph Hochhäusler.

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tado ink • 30.08.2011 | Lichtspiele | Kommentieren
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Wie bescheuert sind wir eigentlich

Ein Amerikaner gibt Auskunft

So weit ist es also gekommen. Jetzt stehen wir im Westen endgültig als Vollidioten dar, als die Trottel des Globalen Dorfes. Michael Lewis war in Berlin, Hamburg und Düsseldorf und hat, was ihm dort widerfuhr, in einem Essay dargelegt, der einem die Schuhe auszieht. Im Herzen Europas, so das Fazit, zu dem der amerikanische Journalist, höflich wie er ist, zwischen den Zeilen gelangt, „ist die Kacke mächtig am Dampfen", und, schlimmer noch, es gibt so gut wie niemanden, der sich daran stört. Für die wenigen im Lande, die die Wahrheit nicht scheuen: „It's the Economy, Dummkopf!" Exklusiv bei Vanity Fair.

tado ink • 25.08.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Vorübergehend geschlossen

Ferien

Von einem Kuss, den ich einer Schönen im Traum raubte, lag mir noch ein Hauch von Vanille auf der Zunge, als ich aufwachte und die Augen gleich wieder schloss.

 

Vorübergehend geschlossen

Giovanni Giacometti: Theodora | 1914

tado ink • 26.07.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Aus der »Werkstatt Deutschland e.V.«

Vorerst keine Quadriga für Wladimir Putin

Unter uns, würden Sie einem Staatsmann, der keine Skrupel kennt, wenn es darum geht, die politische Opposition im Lande auszuschalten, einen Preis verleihen? einem Mann, der Staatsfeinden offen droht, sie zur Not auf dem Klo aufzuspüren und sie an Ort und Stelle eigenhändig zu zerquetschen? Eher nicht? Nun, dann gehören Sie zu den Leuten in Deutschland, die immer noch nicht begriffen haben, was die Stunde geschlagen hat.

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tado ink • 19.07.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Tour de Vence

3 Beelzebuben unterwegs

Für all die, die immer noch nicht wissen, wohin es in diesem Jahr gehen soll, die sich nicht entscheiden können, ob Mallorca besser ist oder aber Sylt, ein Tip (direkt von der Kommandobrücke der Mortobello): Vence, Provence. 

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tado ink • 08.07.2011 | Lichtspiele | Kommentieren
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Absinth

Für Paul Verlaine

Absinth

Absinth, Absinth,

Milchgrün schimmerst du blind

In Gläsern ungezählter Nächte,

Neon berieselt gräbst du Schächte,

Gräbst dich verquer ins Hirn hinein,

Bis dieses fällt und stürzt und taumelt,

Und nicht mehr weiß, wo es grad baumelt,

Einem Nachtfalter gleich, irr im Lichterschein.

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tado ink • 24.06.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Spiel mir das Lied vom Tod

Auf Stippvisite in der Provinz

Die Stadt O. an der S. liegt eingebettet in einem berauschenden Meer aus Feldern, Weiden und sanft durch die Landschaft fließenden Bächen. So abgeschmackt das klingt, es ist die reine Wahrheit. Die Stadt ist derart malerisch, dass ihr Anblick einem von ferne bereits schwer aufs Gemüt schlägt.

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tado ink • 20.06.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Ein Dandy von Gottes Gnaden

Auf den Tod Ludwigs II. von Bayern

Ein Dandy von Gottes Gnaden

Es war ein schwüler Sommernachmittag, an dem Ludwig II. von Bayern zu Grabe getragen wurde. In der Hauptstadt München hatte sich bereits am Morgen des 19. Juni 1886 eine ungeheure Menschenmenge versammelt, um an der Beisetzung des Monarchen teilzunehmen. Doch der von offizieller Seite befürchtete Skandal blieb aus; es gab kein Geschrei, keine Banner, die entrollt wurden, geschweige denn Angriffe auf die Polizei.

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tado ink • 13.06.2011 | Kunstkammer | Kommentieren
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Hotelzimmersymphonie

William Carlos Williams

Ein Hotelzimmer ist ein Fegefeuer zwischen Begierden, ein Fenster, aus dem man springen kann, eine Gefängniszelle, die Adrettheit eines schön hergerichteten Sarges, die ans Leben erinnert ...

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tado ink • 30.05.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Über die Unverbesserlichkeit der Weiber

Ansichten eines Bullenbeißers

Vorsicht! Der nachfolgende Auszug aus den Fantasiestücken des E.T.A. Hoffmann ist nicht jedermanns Sache. Empfindsamen Gemütern wird dringend geraten, die für das weibliche Geschlecht nicht eben schmeichelhaften Ausführungen des Hundes Berganza kurzerhand zu ignorieren. Die Seele könnte ansonsten Schaden nehmen. Nur was für Hartgesottene also, für Leser, die über gewisse Erfahrungen verfügen und sich ihr Wissen und ihre Überzeugungen nicht bis ins Mark durch den Zeitgeist haben diktieren lassen. Für alle anderen gilt: jegliche Haftung ausgeschlossen.

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tado ink • 28.05.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Auf Reede

Joseph Conrad

Der Anblick von Schiffen, die in einem der älteren Docks von London liegen, hat in mir immer die Vorstellung einer Schar Schwäne im überfluteten Hinterhof finsterer Etagenhäuser erweckt. Die Nacktheit der Mauern um den dunklen Pfuhl herum, auf dem sie schwimmen, hebt auf wundervolle Weise die fließende Anmut der Linien eines Schiffsrumpfs hervor. Die schwebende Leichtigkeit dieser Formen, die entworfen worden sind, damit sie Wind und See begegnen können, läßt durch den Gegensatz zu den schweren Backsteinmassen die Festmacheketten und -leinen als sehr notwendig erscheinen, weil es sonst nichts gäbe, das sie hinderte, über die Dächer auf und davon zu fliegen.

 

Auf Reede

John Atkinson Grimshaw: Nightfall on the Thames | 1880

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tado ink • 23.05.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Aus aller Welt

13. Mai 2011

... Leise, aber entschieden. Das Ja des Jahrzehnts. Miss Mittelstand im Märchenland ... So teuer war Silber noch nie. Preis für die Feinunze klettert auf beinahe 50 Dollar. Analysten bleiben skeptisch ... Erneut Todesopfer in Syrien. Zehntausende gehen trotz Militärpräsenz auf die Strassen. Kundgebungen auch in der Hauptstadt ... Uni-Sex-Skandal ausgeräumt. Hochschullehrer „nicht hinreichend tatverdächtig" ... Britische Touristin im Supermarkt enthauptet. Teneriffa unter Schock ...

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tado ink • 16.05.2011 | Logbuch | Kommentieren
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Über das Phänomen der »Damenwahl« im Tierreich

Nebst einigen Betrachtungen zum Sexualleben des Maulwurfs

Unlängst stöberte ich in einem Buch, das mir eine Freundin vor Jahren zum Geburtstag geschenkt, das zu lesen ich mir aber damals aus heute unerfindlichen Gründen strikt untersagt hatte. Vielleicht war es der Titel, der dazu geführt hatte, das Buch ungelesen wegzuräumen, vielleicht war es etwas anderes. Wie auch immer. Auf jeden Fall habe ich es dieser Tage aus dem Regal gefischt, das Buch, das zu lesen ich mir damals verboten hatte. Ich war auf der Suche nach Informationen über den Maulwurf. Und da lag es nun vor mir, das Geburtstagsgeschenk, ein »populäres Lexikon«, aufgeschlagen, direkt vor mir auf dem Schreibtisch: »Das bizarre Sexualleben der Tiere«. Und wie ich es damals insgeheim bereits befürchtet haben dürfte –, bevor ich den Artikel fand, den ich suchte, war ich bereits bei einem Eintrag hängengeblieben, der mit dem, was mich eigentlich interessierte, so gut wie nichts zu tun hatte. Vorderhand wenigstens. Stichwort »Damenwahl«.

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tado ink • 20.04.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Henri III.

Roi de France

Henri III.

Bisweilen stößt man beim Stöbern in alten Geschichtsbüchern auf derart bizarre und seltsam anmutende Gestalten, dass man nicht geringe Lust verspürt, einmal wieder in die Abgründe der Vergangenheit hinabzusteigen, um deren Erscheinung und Lebenswandel näher in den Blick zu nehmen. So erging es mir unlängst, als ich eine Biographie zu Philipp II. von Spanien las und dabei über Henri III. stolperte, der letzte Spross aus dem Hause Valois, der zum König von Frankreich gekrönt worden ist.

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tado ink • 16.03.2011 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Einiges zur Wetterlage

9. März 1935

Die See liegt glatt auf, regungslos wie ein Leichentuch. Seit Tagen kommt der Wind aus dem Osten, die Luft ist klar wie Kristall, durch die hindurch sich das Licht wie bei einem Prisma bricht. Es herrscht eine gelöste, geradezu heitere Atmosphäre an Bord, als läge die Mission bereits hinter uns, um derentwillen wir mit der Mortobello aufgebrochen sind. Allein man darf sich durch das heitere, den Frühling in Aussicht stellende Wetter nicht täuschen lassen. Ich kenne diese Art vom Ostwind über dem Atlantik stabilisierte Hochdruck-Wetterlage; sie ist tückisch, hinterlistig und um einiges grausamer als alles, was der Westwind bringt.

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tado ink • 07.03.2011 | Logbuch | Kommentieren
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Cease To Exist

Der Fall Charles Manson

»Tanzt, singt und bereitet Euch vor!« Mit diesen Worten stimmte Muammar al Ghaddafi, auf den Zinnen von Tripolis stehend, letzte Woche die ihm ergebenen Gardisten und Söldner ein, bevor er sie wie Bluthunde auf die eigenen Untertanen hetzte. Zwei Tage vorher stand in der Zeitung, Charles Manson habe über seinen Anwalt beim Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ein Gnadengesuch eingereicht. Manson sitzt seit 1969 in Haft, eingesperrt aufgrund einer Reihe von Morden, die er anberaumt und von seiner Strandbuggy-Streitmacht in Los Angeles hatte ausführen lassen. Al Ghaddafi, der beinahe zeitgleich sein Coming-out hatte, indem er durch einen Militärputsch in Lybien die Macht an sich riss, gibt immer noch Befehle und läßt sich als »König aller Könige Afrikas« von anglo-amerikanischen TV-Journalisten zum Zwecke eines Exklusivinterviews hofieren. Was Ghaddafi mit Manson zu schaffen hat, ist zwar nicht eigentlich Gegenstand nachfolgender Überlegungen, aber wer das Porträt aufmerksam studiert, das Hendrik Otremba vom düsteren Engel des »Summer of Love« angefertigt hat, der entdeckt erstaunliche Parallelen zwischen beiden. Und einiges andere mehr.

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tado ink • 02.03.2011 | 1969 | Kommentieren
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