Confiteor einer Seifenblase

Richard Crashaw

Ich bin der Winde flüchtiges Ingenium,
Eine Blüte, wie man sieht, der Luft
Das Gestirn des Wassers und der Ströme;

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tado ink • 28.06.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Der Überfall

Paul Rüthning

Kiefern. Heide. Märkisches Land.
Ein Wagen mahlt durch den tiefen Sand,
breit und schwer, planüberdacht;
sechs schwere Pferde. Es naht die Nacht.

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tado ink • 16.05.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Über das Gute

Wassilij Grossman

Die Mehrzahl der auf der Welt lebenden Menschen verschwendet keinen Gedanken an die Bestimmung des ‹Guten›. Worin besteht das Gute? Für wen ist es gut? Von wem kommt es? Gibt es ein übergreifendes Gutes, das für alle Menschen gilt, für alle Generationen, für alle Lebenssituationen? Oder ist, was für mich gut ist, für dich schlecht, was für mein Volk gut ist, für deines schlecht? Ist das Gute ewig, unveränderlich, oder ist, was gestern gut war, heute schlecht, und was gestern schlecht war, heute gut?

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tado ink • 04.04.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Auf des toten Mannes Kiste

London eben (iv)

Auf des toten Mannes Kiste

Ansonsten gab London sich in etwa, wie er es erwartet hatte. Lärm und Hektik, dann und wann ein Ruhepunkt... Cafe's, Hinterhöfe und Squares, Passanten, Taubenschwärme, Autoschlangen – Sounds hier, Clips dort – Stimmengewirr, Schaufenster und Gestank, dazwischen die eine oder andere flüchtige Begegnung. Anonym, im Strom der Passanten.

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tado ink • 21.03.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Auf des toten Mannes Kiste

London eben (iii)

Offiziell gibt es natürlich in London längst keine Piraten mehr. In der Meerenge von Malakka, vielleicht, oder aber am Horn von Afrika, vor der Küste Somalias –, gewiss, da treiben sich Piraten herum, nicht aber an den Ufern der Themse. Schließlich gibt England, wie es in entsprechenden Bulletins der Regierung heißt, seit 300 Jahren den Vorreiter, wenn es darum geht, dem Kapern und der Seeräuberei auf den Weltmeeren den Garaus zu bereiten. Was für ’ne Nebelkerze ... 

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tado ink • 14.03.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Auf des toten Mannes Kiste

London eben (ii)

Ob es an dem Loch in der Gardine lag, an den runden wie Bullaugen in die Wand eingelassenen Leuchten des Hotelzimmers oder aber einfach an dem Umstand, dass er vor der Abreise wieder einmal Robert Louis Stevensons Schatzinsel gelesen hatte –, er konnte sich in London nur schwer des Eindrucks erwehren, auf einem Piratenschiff oder einer Freibeuterfestung gelandet zu sein.

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tado ink • 07.03.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Auf des toten Mannes Kiste

London eben (i)

Auf des toten Mannes Kiste

London ruft. Tick tock, Tick tock, Tick tock. Unüberhörbar. Tick tock, Tick tock, Tick tock. Und ab durch die Mitte. Mit Gwen Stefani als White Rabitt und easyJet als Luftbrücke. Uuuuuuuuuuuuh. Ein Nebelhorn in der Ferne, eine Taschenuhr in der Nähe. Tick tock, Tick tock, Tick tock. Keine Chance, die Signale zu überhören, kein Wachs zur Hand, sich die Ohren zu verstopfen. What you waiting for? What you waiting for? wummert und flötet es in den Gehörgängen. Die Pupillen drehen sich nach innen, Adrenalin steigt auf und zerfunkelt wie Feenstaub knapp unter der Hirnschale. Twist it round again and again.

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tado ink • 01.03.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Aus dem Leben des Heiligen Hubertus

Nach den Legenden

Aus dem Leben des Heiligen Hubertus

In den alten Zeiten, wo die Legenden noch geholfen haben, lebte in den Ardennen ein junger Mann, der landauf landab bekannt dafür war, ein unerbittlicher und furchtbarer Jäger zu sein. Sein Name war Hubertus oder in der Sprache der Leute Hubert le Prevost. Er stammte aus vornehmen Hause. Sein Vater war Bertrand, der Herzog von Aquitanien, seine Mutter Hugberne, eine weit über Toulouse hinaus als besonders gottesfürchtig verehrte Dame.

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tado ink • 16.02.2014 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Der Triumph der Unschuldigen

B.H. Brockes

Ihr Kinderchen, die ihr in einem hellen Zug / Zu uns, die stets allhier ein lechzend Sehnen plaget, / An eurer Stirn und Haupt des Heylands Namen traget, / Ihr Schäfchen ohne Falsch, ihr Täubchen ohne Trug, / Ihr Opfer voller Glanz, die ihr nun abgeschlacht't / Und rein gewaschen seyd in der Versöhnungs-Fluht / Des Lammes, und gefärbt von eurem eignen Blut, / Ihr Erstlinge, die man dem ew'gen HErrn gebracht.

 

Der Triumph der Unschuldigen

Holman Hunt: The Triumph of the Innocents | 1883/84

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tado ink • 25.12.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Vom Pumpernickel und dessen Verwandlung

Georg Christoph Lichtenberg

Mit dem Schinckenkauf ist es jezt gantz ausser der Zeit, die Leute haben fast meistens nur noch einen oder 2*), die sie nicht gerne oder doch nur wohl bezahlt hergeben. Pumpernickel kan man allemal haben, denn die Westphälinger (Gottlob, daß die Seite herunter ist)

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tado ink • 17.12.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Über den Abbé Galiani

Melchior Grimm

Über den Abbé Galiani

Dieses winzige, am Fuße des Vesuvs geborene Individuum ist wirklich ein Phänomen. Hinter dem strahlenden, durchdringenden Glanz seiner Erscheinung ruht eine breite und solide Gelehrsamkeit; und mit den Einsichten eines Mannes von Genie verbindet sich bei ihm die Lebhaftigkeit und der Charme dessen, der zu amüsieren und zu gefallen versteht. Ein Platon mit dem Verve und den Gesten eines Harlekin: er ist der einzige Mensch, den ich je kennengelernt habe, der diffus ist und dabei doch stets ein angenehmer Begleiter bleibt.

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tado ink • 09.12.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Josef W. Stalin

Anekdoten

Josef W. Stalin

Bei einem Kongress überreichte ein usbekisches Mädchen Stalin Blumen. Stalin nahm das Kind in die Arme und lächelte in die Kameras. Das Photo wurde später millionenfach verbreitet. Zwischen den Aufnahmen flüsterte Stalin, der Freund aller Kinder, dem neben ihm stehenden Berija etwas auf Georgisch ins Ohr: „Momaschore et tiliani." Das Mädchen behielt den Satz bis an ihr Lebensende: Aber erst sehr spät erfuhr es, was es mit dem Satz auf sich hat: „Schaff mir bloß die verlauste Göre vom Hals!"

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tado ink • 11.10.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Hundstage

Ein Bericht

Alles döst, Götter, Menschen und Maschinen, nur die Sonne nicht, deren Kraftwerk auf Hochtouren läuft, während sie ihre Strahlen glühend über das Land und die Städte schleudert. Auf den Straßen ist kaum was los, einige wenige Autos kriechen träge durch oder über den aufgeweichten Asphalt, die meisten haben sich in Parkbuchten, Garagen oder auf Abstellplätzen zur Ruhe begeben. Ohne Murren verdorren auf den Mittelstreifen der Fahrbahn die Gräser und Blumen, hier und da sieht man einen Passanten, der im Schatten der Platanen verschwitzt nach Luft schnappt. Alles döst.

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tado ink • 29.07.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Eurokrätze

Eine Art Pastiche

Nun erst verstehe ich, woher der Ärger und Unmut stammt, der mich seit geraumer Zeit quält, unfähig auch nur die kleinste Kleinigkeit, auf die ich stoße, halbwegs gelassen zu ertragen. Eine Bagatelle reicht, und ich könnte an die Decke gehen. Die Baustelle vor unserem Haus zum Beispiel. Nichts gegen Baustellen, die müssen sein, heißt es. Aber diese, ich weiß nicht. Mal befindet sie sich direkt vor dem Haus, mal hundert Meter weiter links, mal hundert Meter weiter rechts die Strasse runter; gerade beginnt man, an eben der Stelle, an der vor Wochen bereits eine Grube ausgehoben und wieder verschlossen wurde, erneut damit, das Pflaster aufzureissen. Meine Nerven liegen blank. Sobald ich das Wort Baustelle nur höre, beginnt der linke Fuß unwillkürlich zu zucken, ich schüttle den Kopf und kann nicht anders, als mich wieder und wieder unter den Achselhöhlen zu kratzen.

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tado ink • 03.07.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Tanz in den Mai

August Hermann

Tanz in den Mai

 

Eeeene, mene, Hopfenstiel, Pökelquatsch und Schabernack, Ochsenschwanz und Ackerknecht, Holiwanz und Rumpeltanz, Plötzensee und Furzengrund. Hauptsache Gesund!

Eeeene, mene, Rosenhanf, Hundetanz und Mösenkranz, Warzenkuh und Muffelwanst, Haselbogen, Affenrogen, Schwefeldunst und Markenkunst. Das alte Spiel: Brunst und Gunst.

 

tado ink • 04.05.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Über die Schieferdeckerei

Otto Ludwig

Zwischen Himmel und Erde ist des Schieferdeckers Reich. Tief unten das lärmende Gewühl der Wanderer der Erde, hoch oben die Wanderer des Himmels, die stillen Wolken in ihrem großen Gang. Monden-, jahre-, jahrzehntelang hat es keine Bewohner als der krächzenden Dohlen unruhig flatternd Volk. Aber eines Tages öffnet sich in der Mitte der Turmdachhöhe die enge Ausfahrtür; unsichtbare Hände schieben zwei Rüststangen heraus.

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tado ink • 12.02.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Was wir Dada nennen

Hugo Ball

Was wir Dada nennen, ist ein Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind; eine Gladiatorengeste; ein Spiel mit den schäbigen Überbleibseln; eine Hinrichtung der posierten Moralität und Fülle.

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tado ink • 15.01.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Von der freiwilligen Knechtschaft

Nach Étienne de La Boëtie (und Gustav Landauer)

O ihr armen, elenden Menschen, ihr unsinnigen Völker, ihr Nationen, die ihr auf euer Unglück versessen und für euer Heil mit Blindheit geschlagen seid, ihr lasst euch das schönste Stück eures Einkommens wegholen, eure Konten plündern, eure Häuser berauben und das reiche Erbe eurer Väter stehlen!

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tado ink • 12.01.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Aus dem Leben des Samuel Johnson

James Boswell

Wir sprachen vom Krieg. JOHNSON: »Jedermann denkt schlecht von sich, wenn er nicht Soldat gewesen oder zur See gefahren ist.« BOSWELL: »Lord Mansfield nicht.«

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tado ink • 06.01.2013 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Pruzzische Elegie

Johannes Bobrowski

Dir ein Lied zu singen, hell von zorniger Liebe –

dunkel aber, von Klage bitter,

wie Wiesenkräuter naß,

wie am Küstenhang die kahlen Kiefern,

ächzend unter dem falben Frühwind,

brennend vor Abend –

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tado ink • 24.10.2012 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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In der Fremde

Joseph von Eichendorff

Aus der Heimat hinter den Blitzen rot

Da kommen die Wolken her,

Aber Vater und Mutter sind lange tot,

Es kennt mich dort keiner mehr.

Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,

Da ruhe ich auch, und über mir

Rauschet die schöne Waldeinsamkeit

Und keiner mehr kennt mich auch hier.

(1832)

tado ink • 02.07.2012 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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“Kinderliteratur”

Anton Tschechow

Die sogenannte Kinderliteratur mag ich nicht und erkenne ich nicht an. Kindern soll man das geben, was sich auch für Erwachsene eignet. Andersen, die Fregatte Pallas, Gogol werden von Kindern gern gelesen, wie auch von Erwachsenen.

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tado ink • 27.06.2012 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Um was klagst du?

Kafka für Anfänger

Um was klagst du, verlassene Seele? Warum flatterst du um das Haus des Lebens? Warum siehst du nicht in die Ferne, die dir gehört, statt hier zu kämpfen um das, was dir fremd ist? Lieber die lebendige Taube auf dem Dach, als den halbtoten, krampfhaft sich wehrenden Sperling in der Hand.

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tado ink • 03.05.2012 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Petersburger Nächte – Eine Antwort an Turgenjew

Afanassij Fet

Poet! Du fragst, warum wir beide immer noch / Trotz allem unsere Heimat lieben? / Weshalb wohl droht, wenn wir von ihr getrennt, / Das Herz uns bis zum letzten Tropfen auszubluten / Vor Sehnsucht nach ihrer Schönheit ohne End'?

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tado ink • 14.04.2012 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Eine Apologie der Nase

Nikolai Gogol zu Ehren

Es soll ja Leute geben, die der Meinung sind, die Nase sei das überflüssigste Organ auf Erden, auf dieses knollenartige Gebilde, das der liebe Gott uns da in seiner unendlichen Weisheit und Güte ins Gesicht gepflanzt hat, könne man als Bürger und Mensch gut und gern verzichten. Um Luft zu schnappen bräuchte man partout keine Nase, dazu hätten wir schließlich einen Mund, und was die Sondierung in der Luft hin und her schwirrender Düfte angeht, nun ja, auch darauf könnten sie gut und gern verzichten, der eine oder andere Wohlgeruch, der einem in die Nüstern steige, wiege bei weitem den Gestank nicht auf, mit dem man dank der Nase alle Nase lang belästigt werde. – O sancta simplicitas!

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tado ink • 31.03.2012 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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