Vor Ypern (hundert Jahre danach)

Wolfgang Lange

Wieder zurück aus Belgien, sitze ich am Schreibtisch und weiß nicht recht, was ich mit mir anfangen soll. Draußen regnet es, und das in einem fort; vom Atlantik schiebt sich eine Regenfront nach der anderen über Mitteleuropa hinweg. Gestaffelt. Schauer. Also Flandern, verlieren wir zunächst ein paar Worte über Flandern. Als Fingerübung. Sage ich mir.

 

Vor Ypern (hundert Jahre danach)

Kneeb Wenedikt Kommandor: Schwarze Madonna | 2017

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tado ink • 27.07.2017 | Frontberichte | Kommentieren
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Berlin, Moritzplatz

Eine Art Ballade

Berlin! Berlin! Berlin! 
Da war’n wir in Berlin,
und was hab’ma da jesehen?
Nüscht hab’ma da jesehen.

Dabei, es war ne Menge los,
an diesen Februartagen.
Kein Grund also, zu klagen.


 

Berlin, Moritzplatz

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tado ink • 23.02.2017 | Frontberichte | Kommentieren
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Bremerhaven

Imre Kertész

Wir sprachen viel über den Krieg. Aus dem Hotel tretend geriet ich in eine politische Veranstaltung: Im Wind, unter einer Zeltplane, hielt ein hier aus der Vergangenheit übriggebliebener, bekannter Kommunist eine pazifistische Rede, zwanzig, dreißig Menschen hatten sich auf dem Platz versammelt.

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tado ink • 13.01.2017 | Frontberichte | Kommentieren
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Sonderzug nach Riga

Bielefeld Bahnhof | vor 75 Jahren

Sonderzug nach Riga

Der 13. Dezember 1941 fiel auf einen Samstag. Draußen war es bitter kalt, als ein Zug in den Bielefelder Bahnhof einlief, der auf keinem Fahrplan ausgewiesen war. Es handelte sich um einen Sonderzug, der über Hannover und Berlin nach Riga gehen sollte. Über die Bestimmung des Zugs bestand kein Zweifel: er diente der Deportation von Bürgern jüdischer Abstammung in den Osten, in die Todeszone Europas, auf einen der Blutäcker, die im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes dort angelegt worden waren.

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tado ink • 13.12.2016 | Frontberichte | Kommentieren
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Unter dem Schatten der Schwerter

Ein Bericht

Es geschah an einem ganz gewöhnlichen Wochentag, an einem Dienstag im Juli. Die Messe, die Père Jacques Hamel an diesem Morgen unweit von Rouen las, war nicht eben gut besucht. Auf den Bänken der kleinen Kirche von Saint-Étienne-du-Rouvray, hatten sich gerade mal fünf Gläubige eingefunden, allesamt betagt –, wie Pfarrer Hamel auch, der sich lange schon im Ruhestand befand, aber stets bereit war auszuhelfen, wenn Not am Manne war –, wie eben jetzt, da die großen Ferien angebrochen waren.

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tado ink • 16.08.2016 | Frontberichte | Kommentieren
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Deutsche Zustände

Beobachtungen. Bemerkungen | 3. Lieferung

Als mir zu Ohren kam, dass Kanzlerin Merkel zu Ostern auf Gomera weilte, um mit ihrem Mann zu wandern, war ich zuerst überrascht, dann aber dachte ich: passt doch. Wo sonst, wenn nicht auf dieser Trauminsel aller Alt- und Junghippies sollte die mächtigste Frau der sogenannten »Hippie-Republik« Deutschland auch ihre Ferien verbringen.

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tado ink • 18.04.2016 | Frontberichte | Kommentieren
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Deutsche Zustände

Beobachtungen. Bemerkungen | 2. Lieferung

Anläßlich des Internationalen Weltfrauentages begab sich eine Gruppe Kulturschaffender, begleitet von einem Tross an Journalisten, zum Bundeskanzleramt, um der Hausherrin als Dank für ihre couragierte Haltung in der Flüchtlingsfrage einen riesigen Strauß roter Rosen zu überreichen. Angela Merkel hatte zwar keine Zeit, das Gebinde persönlich entgegenzunehmen, die Initiatoren der Aktion aber, Regina Ziegler und Volker Schlöndorff, liessen über den Portier, der die Rosen in Empfang nahm, ausrichten, zu ihrem ›Wir schaffen das‹ gebe es keine Alternative.

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tado ink • 09.03.2016 | Frontberichte | Kommentieren
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Deutsche Zustände

Beobachtungen. Bemerkungen

Ich weiß gar nicht, weshalb man sich über die Ereignisse, die sich zu Silvester auf der Kölner Domplatte und andernorts abspielten, so empört. Wer will es jungen Männern verdenken, dass sie sich deutschen Mädchen gegenüber, gelinde gesagt, anzüglich verhalten und ihnen das eine oder andere Spielzeug abnehmen, wo sie doch von eben diesen bei ihrer Ankunft schwärmerisch wie Rockstars begrüßt und mit Geschenken geradezu überhäuft wurden. – Ein Kommunikationsproblem also, nicht mehr, nicht weniger, das aufzuklären man getrost unseren Experten für interkulturelle Begegnungen und dem auf dem Parteitag der Grünen bereits avisierten Ministerium für Integration überlassen darf.

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tado ink • 08.01.2016 | Frontberichte | Kommentieren
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Si jamais j’oublie

ZAZ

Den Toten und Verwundeten von Paris (13. November 2015), San Bernardino (2. Dezember 2015), London (5. Dezember 2015), ...

 

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tado ink • 28.11.2015 | Frontberichte | Kommentieren
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Morgen schon, so nah, so fern

Schlagzeilen (ii)

Morgen schon, so nah, so fern

 

Hier also, wie versprochen, der zweite Teil der Schlagzeilen, die Pop 'em up von seiner Reise in die nähere und fernere Zukunft mitgebracht hat. Wem der erste Teil gefallen hat, der wird auch am zweiten seine Freude haben. Für alle anderen gilt: Augen zu und durch.

 

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tado ink • 04.09.2015 | Frontberichte | Kommentieren
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Morgen schon, so nah, so fern

Schlagzeilen

Morgen schon, so nah, so fern

 

Haben uns eine Auszeit gegönnt. Mehr als zwei Monate Ferien. Kein Urlaub, iiigitt. Eine Zeitreise vielmehr, ein Trip in die nähere und fernere Zukunft. Kreuzfahrt kann schließlich jeder. Und was haben wir mitgebracht? Souvernirs natürlich, was sonst. Kostprobe gefällig?

 

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tado ink • 21.08.2015 | Frontberichte | Kommentieren
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Am Nullpunkt Europas

Paul Valéry

Und jetzt – auf einer ungeheuren Terrasse von Helsingör, die von Basel bis Köln reicht, die an die Dünen von Nieuport, an die Sümpfe der Somme, an die Kreidefelsen der Champagne und den Granit des Elsaß grenzt, erschaut der europäische Hamlet Millionen Gespenster.

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tado ink • 09.05.2015 | Frontberichte | Kommentieren
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Siehe, den Ungläubigen ist’s gleich

Post Epiphanias

5. Siehe, den Ungläubigen ist's gleich, ob du sie warnst oder nicht warnst, sie glauben nicht.
6. Versiegelt hat Allah ihre Herzen und Ohren, und über ihren Augen ist eine Hülle, und für sie ist schwere Strafe.

Siehe, den Ungläubigen ist’s gleich

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tado ink • 09.01.2015 | Frontberichte | Kommentieren
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Rußland, politisch betrachtet

Karl Marx

Rußland, politisch betrachtet

Der überwältigende Einfluß Rußlands hat Europa zu verschiedenen Epochen überrascht, hat die Völker des Westens aufgeregt, und sie haben sich darein wie in ein unvermeidliches Schicksal ergeben oder sich ihm lediglich in Krämpfen widersetzt. Aber mit der Faszination, die Rußland ausübt, geht eine immer wieder auflebende Skepsis einher, die Rußland wie ein Schatten verfolgt, mit seinem Wachstum wächst, schrille Töne der Ironie in die Schreie der gequälten Völker mischt und seine tatsächliche Größe als theatralische Pose verspottet, die nur dazu diene, zu blenden und zu täuschen.

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tado ink • 08.05.2014 | Frontberichte | Kommentieren
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Rotkohlsuppe mit Paprika

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy

Gerüchten zufolge soll das Verhältnis von Nicolas Sarkozy zu Angela Merkel lange nicht so einvernehmend und herzlich gewesen sein, wie es in der Öffentlichkeit kolportiert und wahrgenommen wurde. Von Frédéric Mitterand, dem Kulturminister, auf besagte Gerüchte angesprochen, soll Sarkozy erwidert haben: Nein, mit Frau Merkel laufe alles bestens. Sein einziges Problem mit Angela, wirklich sein einziges, sei, wenn sie ihn einlädt und darauf besteht, sich um die Küche zu kümmern.

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tado ink • 30.10.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Nachdenken über Christa W.

Stichwort Widerstand

Man stelle sich vor: auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED, wir zählen das Jahr 4 nach dem Mauerbau, wagte es Christa W., damals gerade mal 36 Jahre alt, freie Schriftstellerin und Kandidatin des ZK, doch tatsächlich, sich zu Worte zu melden.

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tado ink • 30.09.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad #8

Paul, der jüngste der sieben Brüder, war der letzte, der in den Krieg zog, und der letzte, der nach Hause fand. Man schubste ihn einfach aus dem Waggon, als der Zug, in dem er, von Bremen kommend, saß, durch seinen Heimatort rollte. Die paar Sachen, die er bei sich trug, überließ er Heinrich, dem Bruder, der bereits wieder auf dem Bahnhof Dienst tat. »Ihr könnt mich alle mal«, sagte Paul und ging ins nächste Gasthaus, sich betrinken.

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tado ink • 29.04.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad #7

Hans, um vier Jahre jünger als Heinrich, hatte lange nicht so viel Glück wie dieser, als der Krieg an sein Ende gelangte. Am eigenen Leib sollte er erfahren, was es heißt, als Offizier des Dritten Reiches wenn nicht in russische, so doch in amerikanische Gefangenschaft zu geraten. Er kam erst ein Jahr nach Kriegsende wieder nach Hause, furchtbar abgemagert, um drei Zähne, seine Litzen und den Glauben ärmer, für die rechte Sache gekämpft zu haben.

 

Sieben Brüder

Franz Radziwill: Deutschland 1944

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tado ink • 05.04.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad #6

Sieben Brüder

Heinrich, um ein Jahr jünger nur als Walter, wurde kurze Zeit nach seinem Bruder zum Dienst in die Wehrmacht einberufen. Das Handwerk des Krieges lernte er bei einem Infanterieregiment in Hamburg-Wandsbeck. Sechs Monate später stand er bereits an der Front; von Suwalki, Polen, aus ging es mit der Panzergruppe 3 unter Generaloberst Hermann Hoth Richtung Osten. Das »Unternehmen Barbarossa« rollte an, und der getreue Heinrich war von Anfang bis Ende dabei.

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tado ink • 28.02.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad #5

Sieben Brüder

Und dann kam Walter. Fünf Jahre jünger als Ludwig und von Natur ein Leichtfuß und Draufgänger, wurde er von den Brüdern in jungen Jahren bereits als ziemlich verrückter Kerl verehrt; Walter war der Held der Familie, der Liebling aller, auch wenn es niemand offen aussprach. Sein Taufname lautete Victor und dürfte seinen Wagemut beflügelt haben, am Ende aber bewahrte auch dieser ihn nicht davor, als Verlierer das Schlachtfeld zu verlassen. Blindlings beinahe rannte er in Frankreich dem Tod ins Messer, ins offene Messer.

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tado ink • 22.02.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad #4

Sieben Brüder

Ludwig, der Dritte im Bunde, kam lange nicht so gut davon wie Karl oder Hermann. Er wird vermisst, gilt seit langem als verschollen. Dabei hatte alles ziemlich harmlos angefangen. Für Ludwig wenigstens. Der Krieg steckte noch in den Kinderschuhen, als man ihn in das Infanterieregiment einberief, bei dem er vor ein paar Jahren erst seinen Wehrdienst abgeleistet hatte. »Operation Weserübung«, so die Losung. Es gehe gen Norden.

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tado ink • 17.02.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad #3

Sieben Brüder

Karl, dem jüngeren Bruder Hermanns, erging es ähnlich. Auch er hatte Glück im Unglück. Bei Kriegsende fiel er einem Trupp britischer Soldaten in die Hände, kurze Zeit später wurde er von deren Kommandeuren bereits zum Gemeindevorsteher von Neuenkirchen erklärt. Wie er das Vertrauen der englischen Offiziere erlangt hat, weiß man nicht genau. Vielleicht war es, weil Karl so schön auf der Geige spielte. Es fragt sich auch, was Karl zu dieser Zeit eigentlich in Neuenkirchen zu suchen hatte, an einem Ort, der gar nicht so weit von seinem Heimatdorf entfernt liegt.

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tado ink • 04.02.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad #2

Ende der Zwanziger Jahre geriet die Wirtschaft des Landes wieder ins Schlingern und Stocken. Vorbei war es mit Talmi und Flitter, Charleston, dem Rausch der Geschwindigkeit und der Aussicht auf rasant steigende Börsenkurse. Die Schatten der Depression schlichen erneut um die Häuser der Republik. Nicht nur auf den Straßen und Plätzen Berlins kam es zu heftigen Tumulten und Ausbrüchen nackter Gewalt, im Reichstag, den Kanzleien und Ministerien verstand keiner mehr, was der andere meinte, befördert durch all das und mehr gelangte schließlich ein Mann an die Macht, der revanchistische Gelüste hegte und Ideen verfolgte, die als abenteuerlich zu bezeichnen ein Euphemismus wäre. Von den Massen in Stadt und Land als Messias frenetisch gefeiert, als Heilsbringer und Erlöser, sollte der zum Führer aller Deutschen Erkorene am Ende einen Krieg vom Zaun brechen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Und es gab nicht einen unter den Brüdern, der sich dem Befehl des Führers widersetzte, für Volk und Vaterland in welche Schlacht auch immer zu ziehen.

 

Sieben Brüder

Deutschland im Juni 1940

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tado ink • 30.01.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Sieben Brüder

Generation Stalingrad

Es waren einmal sieben Brüder, einer stärker, größer und klüger als der andere. Sie lebten auf dem Dorfe und stammten aus einfachsten Verhältnissen. Der Vater war bei der Bahn, bei der Reichsbahn: in seiner Jugend hatte er dem Kaiser lange brav in einem Spandauer Garderegiment gedient. Zur Belohnung erhielt er eine Stelle auf Lebenszeit: Bahnwärter, Streckendienst an einem Eisenbahnverkehrsnetz, wie es kein zweites auf der Welt gab. Bei Wind und Wetter lief der Vater – einmal Soldat des Kaisers immer sein Soldat –, ausgerüstet mit einer Ölkanne und einem Vorschlaghammer, den ihm anvertrauten Streckenabschnitt ab, tag für tag; dann und wann klopfte er aufs Eisen und lauschte, ob mit den Gleisen und Weichen seiner Majestät des Kaisers weiter alles seine Richtigkeit hat. Die Frau, die er sich nahm und liebgewann, war eine schlichte Seele, nicht gerade hübsch, dafür aber fromm, reinlich und streng. Nachdem sie unter Schmerzen sieben Söhne in die Welt gesetzt hatte, begab sie sich auf Pilgerfahrt; sie trat eine Reise zum »Heiligen Rock« nach Trier an, drei, vier Tage lang. Danach nahm sie ihr stilles, bescheidenes Leben wieder auf; sie versah den Haushalt, kümmerte sich um die Kinder, die Schweine und den Garten. Man kam zurecht.

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tado ink • 28.01.2013 | Frontberichte | Kommentieren
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Operation Ostpreuszen

Ein Nachbericht

Eben zurück aus Ostpreuszen – oder dem, was vor Zeiten diesen Namen trug. 13 Tage Polen, um korrekt zu sein, genauer Warmien (Ermland) & Masuren – via Danzig, das als Einfallstor oder Schleuse nach Ostpreuszen und ins Baltikum diente. Ohne Nostalgie betrachtet: eine fremde Welt (und doch auch wieder nicht). Sarmatien, postsozialistisch.

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tado ink • 28.10.2012 | Frontberichte | Kommentieren
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