Viel Lärm um Nichts?

Nach Abschluss der dOCUMENTA (13)

Schande, Schande über mich. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, in diesem Jahr nicht nach Kassel zu fahren, um mich auf der eben abgelaufenen documenta einmal wieder von der „Weltkunst" an der Nase herumführen zu lassen, bin ich doch wieder in Kassel gelandet, wenn auch nur für einen Nachmittag. Und man sehe sich nur an, was dabei herausgekommen ist:

 

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tado ink • 19.09.2012 | Frontberichte | Kommentieren
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documenta xiii vor der Eröffnung

Carolin Christov-Bakargiev im Gespräch

Sehen Sie keinen fundamentalen Unterschied zwischen Frau und Hund? Absolut nein! Es gibt keinen grundlegenden Unterschied zwischen Frauen und Hunden oder zwischen Männern und Hunden. Auch nicht zwischen Hunden und den Atomen, die meinen Armreif bilden. Ich denke, alles hat seine Kultur. Die kulturelle Produktion der Tomatenpflanze ist die Tomate.« So Carolin Christov-Bakargiev, die Chefin der documenta xiii in einem Interview unlängst.

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tado ink • 04.06.2012 | Frontberichte | Kommentieren
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Die Linden auf dem Kirchhof

Elegie

Es war einmal eine Zeit, da gab es bei uns auf dem Friedhof Linden. Nicht nur eine oder zwei, nein, es gab gleich Dutzend von ihnen, gut 30 an der Zahl, wenn ich mich nicht irre. Ein Lindenbaum neben dem anderen, so standen sie da, in Reih und Glied, als ob es sich um Soldaten handelte, um lange Kerle auf Wacht.

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tado ink • 21.05.2012 | Frontberichte | Kommentieren
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Am leeren Grab ein Engel

Nach Markus 16.1-8

Am leeren Grab ein Engel

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome Spezereien, um hinzugehen und ihn zu salben. In aller Frühe am ersten Tag der Woche kamen sie zum Grabe, da eben die Sonne aufging. Sie fragten sich, ob da wohl einer sein wird, der ihnen den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzt; er war nämlich sehr gross. Als sie aber hinkamen, sahen sie, dass der Stein bereits weggewälzt worden war. Und als sie in das Grab schauten ...

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tado ink • 08.04.2012 | Frontberichte | Kommentieren
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Das letzte Wort Jesu am Kreuz

Aus den Evangelien gezogen

Die katholische Kirche zählt sieben Worte zu den letzten, die Jesus am Kreuz sprach, unmittelbar bevor er sein Leben aushauchte. Genau betrachtet sind es allerdings nur drei, die zudem von Evangelium zu Evangelium alternieren. Das erste lautet: »Eloi, Eloi, lema sabachthami», das heißt: »mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«. So steht es bei Matthäus (27.46/Ps 22.2). Dem schließt sich Markus (15.34) an, und zwar buchstäblich, wie es scheint. Bei Lukas hingegen lauten sie im Rekurs auf eine andere Stelle aus den Psalmen: »Vater in deine Hände befehle ich meinen Geist.« (23.46/Ps 31.6) Johannes schließlich geht noch einen Schritt weiter und gibt die letzten Worte Jesu knapp und bündig so wieder: »Es ist vollbracht.« (19.30) – Vergessen wurde und wird darüber zumeist, dass das letzte, was Jesus auf Golgatha von sich gab, ein furchterregend lauter Schrei war. (Vgl. Matth. 27.50 u. Mark. 15.37)

 

Das letzte Wort Jesu am Kreuz

Holbein der Jüngere: Christus im Grabe | 1521

tado ink • 06.04.2012 | Frontberichte | Kommentieren
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Kurz vor der Wahl in Russland

Eine Eilmeldung

Eben ist uns von unserem Korrespondenten aus Moskau das leider nur unvollständige und an einigen Stellen verstümmelte Protokoll einer Wahlkampfrede zugespielt worden. Von wem die Rede stammt, wo sie gehalten wurde und an wen genau sie sich richtete, haben wir bis jetzt nicht ermitteln können. Der Kontakt mit Moskau ist unmittelbar nach dem Eingang des Protokolls zusammengebrochen und hat sich seitdem nicht wieder herstellen lassen. Ungeachtet dessen – ohne weiteren Kommentar – die Depesche. D.S.

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tado ink • 03.03.2012 | Frontberichte | Kommentieren
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Ach diese Griechen

Einer redet Klartext

Vor 37 Jahren schrieb Nikos Dimou, ein griechischer Schriftsteller, Philosoph und (auf Zeit auch) Werbedesigner, über seine Landsleute: »Ein Grieche nimmt die Realität prinzipiell nicht zur Kenntnis. Er lebt zweifach über seine Verhältnisse und verspricht das Dreifache von dem, was er halten kann.« Wie, das kommt ihnen irgendwie bekannt vor? klinge nicht im mindesten veraltet? erinnere Sie schwer an die europäische Misere dieser Tage. Nun denn ...

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tado ink • 26.02.2012 | Frontberichte | Kommentieren
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Aus dem Leben der Marie Antoinette

Was Sofia Coppola uns verschwieg

Aus dem Leben der Marie Antoinette

Als der Mob von Paris 1789 Versailles stürmte, verabsäumte er es nicht, in Gestalt eines Stoßtrupps die Gemächer der Königin aufzusuchen, die der Marie Antoinette – seit der Halsbandaffäre die Reiz-, Skandal- und Hassfigur des in revolutionären Wallungen schwelgenden Paris. Bei dem Besuch ging einiges zu Bruch, Flüche und Geifer wurden laut. Sie solle sich vorsehen, bei nächster Gelegenheit werde man ihr, Marie Antoinette, das Haupt abschlagen, man werde ihr Herz verspeisen und ihre Leber zerstückeln, um aus ihr Eintopf zu machen. Da könne sie sich sicher sein, so viel stünde fest. – In gewisser Weise hielt der Mob Wort. Nach einem demütigenden und perfiden Schauprozess fand Marie Antoinette, die letzte wahre Königin Frankreichs, im Oktober 1793 den Tod auf der Guillotine.

tado ink • 17.12.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Preußen

Später

Durch seine Geburt geworfen in die Wirbel eitlen Dunstes, / Die der Pöbel nennt Ruhm und Größe, / Die aber der Weise als nichtig erkennt. / Ausgesetzt allen Leiden der Menschheit. / Geplagt von den Leidenschaften der anderen, / Getrieben von den eigenen. 

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tado ink • 03.12.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Heinrich von Kleist

✝ 21. November 1811

Heinrich von Kleist

Alle Blätter sind an diesem Wochenende voll mit seinem Namen, ganz Deutschland schwelgt in Erinnerungen an einen, der vor 200 Jahren erst der Freundin, dann sich selbst eine Kugel in den Leib und Kopf jagte. In einem seiner letzten Briefe hatte er der Schwester geschrieben, die Wahrheit sei, daß ihm auf Erden nicht zu helfen ist. Kurz darauf ließ er für sich und Henriette vom Gasthof, in dem sie logierten, eine Kanne Kaffee am Ufer des Wannsees auftragen. Es war ein grauer, kalter Tag.

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tado ink • 21.11.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Achtung “Nachhaltig”!

Eine Polemik in nuce

Achtung “Nachhaltig”!

Selbst auf die Gefahr hin, in ganz üble Gesellschaft zu geraten, ich kann mir den Satz nicht verkneifen: Immer wenn ich das Wörtchen „nachhaltig" oder „Nachhaltigkeit" höre, entsichere ich meine Magnum. Selten ist mir ein Wort so auf den Keks gegangen. Nicht nur dass Hinz und Kunz mit dem Wörtchen „nachhaltig" inzwischen nur so um sich werfen und es in Zusammenhängen benutzt wird, in denen es ganz und gar unangemessen ist, nein, was mich an dem Wort in Rage bringt, sind die ultrakonservativen Implikationen, die es birgt und transportiert. Man achte drauf.

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tado ink • 08.09.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Ganz kurz vorm Ende der Ferien

Lago Maggiore, 20. August 2011

Vor mir, unten am Strand, ein Goldlöckchen, das sich auf einem Liegestuhl mit Tigerlaken räkelt, als triebe sie es mit der Sonne höchstpersönlich, hinter mir, es ist gerade erst vier Uhr nachmittags, setzt ein deutsches Elternpaar dazu an, unter furchterregenden Gebrüll seine drei Kleinen mit Sandwiches, Eiscreme und Cola abzufüttern, plötzlich, ich bin gerade dabei, mich wieder in das Buch zu versenken, das ich mitgebracht hatte, um in ihm zu schmökern, spricht mich von der Seite ein Zwerg an, weiblich, der Kleidung nach zu urteilen, italienischer, vielleicht halbchinesischer Abstammung: Ob er (oder besser sie) sich zu mir an den Tisch setzen dürfe? Bevor ich noch zu antworten in der Lage bin, sitzt sie (oder er) bereits am Tisch, zückt mit der Linken die Kamera und beginnt damit, die Sodadose abzulichten, die sie sich gerade besorgt hat, perlend frisch, in allen erdenklichen Positiuren, vor dem Hintergrund am Horizont lagernder Bergketten. – Wie schön der Lago Maggiore doch ist, denke ich, wunderschön geradezu, vom Ufer Stresas aus betrachtet, in einem Kiosk am Strand sitzend, im Schatten.

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tado ink • 01.09.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Wie bescheuert sind wir eigentlich

Ein Amerikaner gibt Auskunft

So weit ist es also gekommen. Jetzt stehen wir im Westen endgültig als Vollidioten dar, als die Trottel des Globalen Dorfes. Michael Lewis war in Berlin, Hamburg und Düsseldorf und hat, was ihm dort widerfuhr, in einem Essay dargelegt, der einem die Schuhe auszieht. Im Herzen Europas, so das Fazit, zu dem der amerikanische Journalist, höflich wie er ist, zwischen den Zeilen gelangt, „ist die Kacke mächtig am Dampfen", und, schlimmer noch, es gibt so gut wie niemanden, der sich daran stört. Für die wenigen im Lande, die die Wahrheit nicht scheuen: „It's the Economy, Dummkopf!" Exklusiv bei Vanity Fair.

tado ink • 25.08.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Aus der »Werkstatt Deutschland e.V.«

Vorerst keine Quadriga für Wladimir Putin

Unter uns, würden Sie einem Staatsmann, der keine Skrupel kennt, wenn es darum geht, die politische Opposition im Lande auszuschalten, einen Preis verleihen? einem Mann, der Staatsfeinden offen droht, sie zur Not auf dem Klo aufzuspüren und sie an Ort und Stelle eigenhändig zu zerquetschen? Eher nicht? Nun, dann gehören Sie zu den Leuten in Deutschland, die immer noch nicht begriffen haben, was die Stunde geschlagen hat.

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tado ink • 19.07.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Spiel mir das Lied vom Tod

Auf Stippvisite in der Provinz

Die Stadt O. an der S. liegt eingebettet in einem berauschenden Meer aus Feldern, Weiden und sanft durch die Landschaft fließenden Bächen. So abgeschmackt das klingt, es ist die reine Wahrheit. Die Stadt ist derart malerisch, dass ihr Anblick einem von ferne bereits schwer aufs Gemüt schlägt.

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tado ink • 20.06.2011 | Frontberichte | Kommentieren
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Integriertes Revier

Ruhr.2010

„Endlich sind wa wieder wer!", krakeelten ausrangierte Knappen und Steiger von den schlummernden Schloten des Ruhrgebietes, als am 11. April 2006 die EU-Expertenjury Essen und einen Appendix namens Pott zur Kulturhauptstadt 2010 kürte. Kein Wunder, war die sich selbst (zu Recht, bei dreimal Hasi & Mausi in der Innenstadt) mit dem Prädikat „Einkaufsstadt" versehene Metropole Essen doch mit dem Spitzenmotto „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel" in den Kampf um die kulturelle Vormachtstellung in Europa gezogen. Einziger Wermutstropfen, dass die erlangte Auszeichnung zu gleichen Teilen an die türkische Metropole Istanbul und die ungarische Kleinstadt Pécs ging.

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tado ink • 30.11.2010 | Frontberichte | Kommentieren
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Schwarzer November

Terror im Reihenhaus

Am Samstagmorgen letzter Woche – wie lange mag das her sein, als ich dies schrieb, ein Jahr, zwei Jahre? wie auch immer: Am Samstagmorgen letzter Woche habe, las ich, ein junger Mann in einem Stadtteil Osnabrücks, in Schölerberg, für ein grauenhaftes Inferno gesorgt. Es sei, hieß es, gegen 5.55 Uhr in der Frühe gewesen, als der Mann mit einem Ford Mondeo in der Reihenhaussiedlung auftauchte und unversehens mit extremer Geschwindigkeit auf das Haus der Schwiegereltern zuhielt.

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tado ink • 23.11.2010 | Frontberichte | Kommentieren
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Detlef Kremer

Eine Totenrede

Detlef Kremer

Gut ein Jahr ist es her, da starb vollkommen unerwartet ein alter Freund von mir, Detlef Kremer. Es gab einige Nachrufe, er wurde als Mensch und der Romantik aus Passion zugewandter Germanist angemessen gewürdigt. Das Leben aber ging bald schon weiter, es wurde richtig Sommer, es wurde Herbst, es wurde Winter, dann brach erneut das Frühjahr auf. Gnadenlos. – Mitunter fällt sein Name noch, hier und da, beinahe im Vorübergehen, ansonsten aber läuft alles, wie es immer gelaufen ist. Das Leben – ein grausames Spiel.

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tado ink • 02.06.2010 | Frontberichte | Kommentieren
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Schrecklicher Erster Mai

Menschenjagd auf der Landstrasse

Schrecklicher Erster Mai

Wie jedes Jahr anfang Mai war die Gemeinde früh schon auf den Beinen. Raus aus der Stube, hinaus in Gottes freie und schöne Natur. Frühlingsrauschen in Norddeutschland. Man hatte die Bollerwagen aus den Ställen, Kellern und Garagen geholt, sie fein herausgeputzt und mit Grün und anderem Zeug geschmückt, das zur Hand war. Auf den Ladeflächen stapelten sich Kisten Bier, Schinkenstullen gab es und die eine oder andere Flasche Korn. Es grünt so grün... Lustig ging es zu unterwegs, man spazierte drauflos, was das Zeug hält. Die Kinder waren kaum zu bremsen. Am Himmel stand strahlend und prächtig die Sonne, da tauchte plötzlich wie aus dem Nichts ein Auto auf.

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tado ink • 08.05.2010 | Frontberichte | Kommentieren
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Krise, welche Krise?

Flaschenpost (aus dem 19. Jahrhundert)

Krise, welche Krise?

Lassen wir uns nicht täuschen. Bei dem, was sich auf den Finanzmärkten abspielt, blickt keiner so recht durch. Am wenigsten die, die am lautesten schreien. Hat man von diesen und anderen Experten je eine vernünftige Antwort auf die Frage erhalten, wo all das Geld geblieben ist, das gestern noch da war? Warum sind all die Spareinlagen, Aktien, Fonds, Immobilien und Firmenwerten, die es verteilt auf dem Globus gibt, plötzlich nurmehr die Hälfte wert, wenn überhaupt? Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Aber ja doch. Man lese nur, was Honoré de Balzac über die Vorteile und das verbrecherische Treiben der Finanzmagnaten zu sagen wußte. Ein Bericht, der gerade eben formuliert sein könnte.

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tado ink • 03.01.2010 | Frontberichte | Kommentieren
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