11. Juni 1854

Tag und Nacht

Immer das Gleiche, Tag und Nacht. Wir rollen auf der Dünung vor und zurück, warten, dass was passiert. Aber es passiert nichts. Gut, dass die Apparate funktionieren und die Mannschaft auf Posten ist. Des Nachts vertreiben wir die Anspannungen des Tages mit Nichtstun. Und ich fürchte, es wird so bleiben. Mindestens noch die nächsten drei Wochen. Mein Gespräch mit Cyborg 7.7 war übrigens nicht sonderlich ergiebig. Immerhin...

Er versicherte mir, ich bräuchte mir keine Gedanken machen. Es laufe alles wie am Schnürchen, die Expedition sei auf dem besten Wege. Geduld! das einzige, was wir jetzt nötig hätten, sei Geduld. Alles andere ergebe sich von selbst. Schön und gut, aber das interessiere mich gar nicht, entgegnete ich ihm. »Was ist mit Muse Not Amused? Man sieht sie kaum. Sucht man sie, ist sie nicht zu finden, taucht sie dann doch auf, wirkt sie stets ein wenig verstört, so ungezwungen sie sich auch gibt.« Eine Familiengeschichte, so Cyborg 7.7. Kein Grund zur Sorge. Ein Trauerfall in nächster Nähe. Das brauche seine Zeit. Und damit wandte er sich ab und begab sich an Deck, eine kleine Promenade, wie er betonte. Auch Maschinen, so sein Wort im Gehen, hätten dann und wann frische Luft nötig.

11. Juni 1854

Holman Hunt: Das Schiff (1875)

tado ink | 21.07.2010 | Logbuch
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