Apropos

Charles Baudelaire

[...] in einer Hafenspelunke nötigte mich Baudelaire. einen doppelten Skydam zu trinken. Sein abgehärteter Gaumen ertrug den Brand des Alkohols mit Wonne, und er fand besonderen Genuß daran, seine Speiseröhre mit dem flüssigen Feuer zu verbrennen. Als er genug von dem höllischen Getränk auf sich abgezapft hatte, ging er seine »Bettlerin« aufsuchen...

Eine kleine Alte, die am Flußufer kauerte. Sie hatte nur noch ein Auge, und das triefte; das andere war ausgelaufen. Aus ihrem verzerrten Mund ragten zwei gelbe Zähne über die Oberlippe, wie man es bei Bulldoggenweibchen sehen kann. Ihre Nase war stumpf und schrecklich ungeschneuzt. Jeden Morgen brachte Baudelaire diesem Ungeheuer ein paar Münzen und überreichte sie ihm mit einem Lächeln.

»Ich bewundere diese Kreatur«, sagte er zu mir, »ich zähle darauf, daß sie für mich zum Teufel betet ...«

»Ist sie auch Wahrsagerin?«

»Nein, ich habe ihr vorgeschlagen, sich als Hexe zu betätigen, aber sie zieht das Betteln vor ... Schade, ihr Kopf eignete sich ausgezeichnet für den Hexenberuf ...!«

 

Apropos

Felicien Rops: Les Épaves (Frontispiz) | 1866

 

Adrien Marx: Une figure étrange, in: L'Evénement (14. Juni 1866), zit. n. Baudelaire im Urteil seiner Zeitgenosen. Auswahl und Anordnung der Texte von W.T. Bondy und Claude Pichois. Übersetzung aus dem Französischen und Bibliographie von Felix Philipp Ingold und Robert Kopp, Frankfurt am Main 1969.

tado ink | 27.01.2011 | Stichijows Papiere
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