Barockes Bielefeld

Poesie & Prosa

So will der Liebe Feld nun lauter Blumen tragen; / Weil hier die Lieblichkeit ihr Läger auffgeschlagen. / Du werthe Liebe Stadt / laß durch die Liebe dann / Dein Hertz mit Gott versöhnt / dem Himmel kleben an.

(Weil man in dieser Stadt eine grössere Galanterie und Nettigkeit findet / als andern benachbarten Oertern / mögte man fast sagen / daß die Gratiae oder Göttinnen der Liebligkeit daselbst residirten.)

Die Stadt Bielfeld wird durch die durchfließende Lutter in 2 Teile getheilet, in die alte und Neue Stadt. Auf der alten Stadt ist zu sehen: 1. das Rahthauß und Markt, 2. die Evangelisch-Lutherische Kirche ad S. Nicolaum, beim Markte, 3. das verfallene Süster Kloster in der güsen straße, das Kloster Zum Marienthal genannt, so anitzo von denen Evangelisch-Reformirten zu ihrem Gottesdinst gebraucht wird, und Selbigen den 17. Januarij 1682 gnädigst eingeräumet worden, 4. das Römisch-Catholische Kloster Franciscaner Ordens an der Obern Straße gelegen, so vorhero aufm S. Jostberge situirt gewesen, 5. der Walthoff, ein Adelicher hoff, welcher vor diesem ein sichers asylum gewesen, wie dan noch ein offenes fenster gezeiget und dabey referiret wird, wan die Delinquentes, so etwas Capitales begangen, sich darin salviren können, sie sich dadurch frey gemachet hätten... Viele von den Einwohnern in ... Bielfeld ... treiben kauffmannschaft, handeln viel mit linnewand, nach Bremen, Ambsterdam, Embden, Engelland und Spanien, auch nach Dennemark und Schweden. Außer der burg- oder Schloßpforten ligt auf dem nahe davor gelegenen Felsen die brafe Vestung Sparrenberg, auf desselben Revier die so genante pfaffenmütze oder Papenmütze, und unter derselben in dem angenehmen, mit bäumen bewachsenen grunde oder Thal, zwischen zween bergen, ein über alle maßen lustiger und anmuthiger ohrt, worin einige häuser gebaut, der Freudenthal genant.

 

Barockes Bielefeld

 

[Bei der Stadtansicht von Bielefeld, die schwerlich auf eigener Anschauung beruht, handelt es sich um einen Kupferstich, der aus dem von Daniel Meisner und Eberhard Kieser besorgten Thesaurus philopoliticus oder Politischen Schatzkästlein (Frankfurt 1623ff.) gezogen wurde. Das Gedicht stammt von Johannes Kayser, einem westfälischen Dichter, lutherischen Prediger und Gymnasiallehrer, der 1654 in Lippstadt geboren und 1721 in Kleve gestorben ist. Überschrieben ist es mit Bielefeld. Liebe-Feld [Annagrammata xxxv]. Bei dem Prosatext schließlich haben wir es mit einem Auszug aus den Collectanea Ravensbergensia zu tun, einer aus 24 Bänden bestehenden Sammlung von Beschreibungen, Nachrichten, Kuriositäten et cetera, die der seit 1683 als Amtsschreiber auf der Sparrenburg tätige Wolff Ernst Aleman angelegt und hinterlassen hat.]

tado ink | 21.02.2014 | Kunstkammer
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