Confiteor einer Seifenblase

Richard Crashaw

Ich bin der Winde flüchtiges Ingenium,
Eine Blüte, wie man sieht, der Luft
Das Gestirn des Wassers und der Ströme;

Bin der Natur goldener Witz,
Der Natur unbestimmte Fabel,
Der Natur sich verflüchtigender Traum.
Kleinodie, Schmuck und Trauer,
Süße, und der Gelehrten eitles Wähnen,
Bin die Tochter goldener Niedertracht;
Und das unbeschwerte Lächeln der Mutter,
Tropfen über Tropfen reinen Übermuts,
Unermesslicher Reichtum & Dreck.
Bin der Preis fliehender Hoffnung;
Eine von den Inseln des Hesperus.
Eines der Gefäße des Schönen,
Blinder Liebe hellsichtiger Blick.
Eitel, und ans Herz gehender Ruhm.
Ich bin der blinden Göttin Spiegel.
Der Fortunas Ego Losung bin ich,
Mit der sie ihre Soldaten bestückt,
Ich bin der Fortunas Ego Zeichen,
Mit dem sie die Verblendung segnet,
derweil sie ihre Listen und Tabellen
Mit einer Unzahl trunken Sterblicher füllt.
Bin alles was schmeichelt, frech ist und unstet,
Schön, glühend und dezent,
zierlich, blühend und frisch,
Unvergleichlich, bis auf Schnee, Rosen,
Wellen und Wogen, Flammen und Lüfte,
Gemaltes, Geschnitztes, Vergoldetes,
Oh, ich bin (was sonst, oh ... nichts).

 

Confiteor einer Seifenblase

Sally Mann: Blowing Bubbles | 1987

 

Notiz: Bei diesem Bekenntnis handelt es sich um einen Auszug aus einem um einiges umfangreicheren Gedicht, das Richard Crashaw, einer der »metaphysical poets« Englands, gegen 1646 verfasst und neulateinisch trocken mit »Bulla« überschrieben hat: »Seifenblase«. Die Entdeckung des Gedichts verdanke ich einem BLOG, dessen Namen nicht genannt werden darf: http://whenhernameyouwriteyoublot.blogspot.de/2006/09/im-forever-blowing-bubbles.html. Es gibt hier auch eine Übersetzung des »Confiteor« ins Englische. Vollständig digitalisiert findet sich das Gedicht hier: http://www.ipa.net/~magreyn/bulla.pdf. Nach einer Kopie aus: Steps to the Temple: Delights of the Muses, and other Poems von Richard Crashaw (Liverpool 1904). Alle Angaben ohne Gewähr.

 

tado ink | 28.06.2014 | Stichijows Papiere
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