Deutsche Zustände

Beobachtungen. Bemerkungen | 2. Lieferung

Anläßlich des Internationalen Weltfrauentages begab sich eine Gruppe Kulturschaffender, begleitet von einem Tross an Journalisten, zum Bundeskanzleramt, um der Hausherrin als Dank für ihre couragierte Haltung in der Flüchtlingsfrage einen riesigen Strauß roter Rosen zu überreichen. Angela Merkel hatte zwar keine Zeit, das Gebinde persönlich entgegenzunehmen, die Initiatoren der Aktion aber, Regina Ziegler und Volker Schlöndorff, liessen über den Portier, der die Rosen in Empfang nahm, ausrichten, zu ihrem ›Wir schaffen das‹ gebe es keine Alternative.

»Wir sind«, heißt es in dem Brief, der den Rosen beilag und von mehr als hundert namhaften Schauspielern, Regisseuren, Musikern et. al. unterzeichnet worden war, »stolz auf Sie und dieses Land, das Ihres und unseres ist«. Nach Auffassung der Prominenz steht die Welt am Anfang gewaltiger Veränderungen. Krieg, Not und Klimawandel würden in den nächsten Jahrzehnten Millionen zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Durch Gesetze und Mauern seien sie kaum aufzuhalten. »Deshalb scheint uns richtig, diese Wahrheit heute schon auszusprechen, die Herausforderung anzunehmen und Europa auf diese Völkerwanderung so vorzubereiten, dass wir sie langfristig, mit Herz und Verstand, bewältigen können, ohne unsere eigenen Werte aufzugeben.«

Und jetzt alle: Eins! Zwei! Drei! Vier!

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
eu'r Herz zum Tempel zubereit'.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch,
ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

Zu den Unterzeichnern gehören u.a. Daniel Barenboim, Iris Berben, Senta Berger, David Chipperfield, Veronica Ferres, Maria Furtwängler, Elke Heidenreich, Nico Hoffmann, Dieter Kosslick, Jan Josef Liefers, Marius Müller-Westernhagen, Thomas Ostermeier, Hans Neuenfels, Til Schweiger und Wim Wenders.

tado ink | 09.03.2016 | Frontberichte
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