Deutsche Zustände

Beobachtungen. Bemerkungen | 3. Lieferung

Als mir zu Ohren kam, dass Kanzlerin Merkel zu Ostern auf Gomera weilte, um mit ihrem Mann zu wandern, war ich zuerst überrascht, dann aber dachte ich: passt doch. Wo sonst, wenn nicht auf dieser Trauminsel aller Alt- und Junghippies sollte die mächtigste Frau der sogenannten »Hippie-Republik« Deutschland auch ihre Ferien verbringen.

Das einzige, was nicht so recht ins Bild passen wollte, war die Nachricht, sie sei mit zwölf deutschen Bodyguards angereist, zusätzlich seien vor Ort fünfzehn Angehörige der paramilitärischen Guardia Civil zu ihrem Schutz abgestellt, man habe außerdem ein Bombenentschärfungskommando im Hotel einquartiert und lasse den Küstenstreifen vor dem Hotel rund um die Uhr von Tauchern der Eliteeinheit GEAS überwachen. – Fehlt eigentlich nur ein Vorkoster, dachte ich, als ich das las, damit die Kanzlerin unbeschwert die von ihr, wie es in dem Bericht hieß, besonders geschätzte, auf Tellern aus Wacholderholz oder Stechpalme servierte, kanarische Kressesuppe (»potaje de berros«) geniessen kann. Aber vielleicht übernimmt das ja ihr Mann.

Lese gerade die Kriegstagebücher der Astrid Lindgren. Unter dem Datum des 10. Mai 1940 findet sich dort folgender Eintrag: »Deutschland gleicht einer bösartigen Bestie, die in regelmäßigen Abständen aus ihrer Höhle hervorgestürzt kommt, um über ein neues Opfer herzufallen. Mit einem Volk, das im Abstand von etwa 20 Jahren so gut wie die ganze übrige Menschheit gegen sich aufbringt, kann etwas nicht stimmen.« Wie wahr, dachte ich, als ich den Satz las, nur dass die Deutschen inzwischen aus der Geschichte gelernt haben und ganz Europa dadurch gegen sich aufbringt, dass sie alle Welt mit offenen Armen und freundlich lächelndem Gesicht zu sich einlädt. So gesehen wäre die sogenannte Willkommenskultur nicht anderes als ein invers gewendeter Blitzkrieg.

Wie naiv, um nicht zu sagen, realitätsblind muß das Gros der Deutschen sein, um sich nach den Anschlägen von Paris, Brüssel oder Lahore der Erkenntnis zu verweigern, dass der Islam auch ihnen den Krieg erklärt hat? Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis man auch hierzulande begreift, dass den Terrorattacken nicht einfach ein »mörderischer Wahn« zugrunde liegt, der, wie das Auswärtige Amt erklärt, »sich gegen alle Menschen gleichermaßen richtet, gleich ob Mann oder Frau, jung oder alt, gleich welchen Glaubens und welcher Hautfarbe«? Nein! und nochmals nein! Der im Terror zu sich selbst findende Jihad ist kein »mörderischer Wahn«, er ist vielmehr die Triebfeder und der Schmierstoff des Islam, es ist der »Kampf für die Sache Gottes«, das heißt die dem Willen Allahs selbst entsprechende Art und Weise zu handeln. Ob in den USA oder Pakistan, ob in Europa oder im Nahen Osten, Objekt der im Namen Allahs verübten Anschläge ist nicht die Menschheit als solche oder irgend ein anderes Abstraktum, sondern ein jeder und alles, was dem Anspruch des Islam auf die Weltherrschaft zuwider ist. Wie dumm wäre es, sich gerade an diesem Punkt, über den die Vordenker der islamischen Revolution nie einen Zweifel gelassen haben, etwas vorzumachen. »Jegliche Regierung und Autorität«, um Abul Ala Maududi zu paraphrasieren, »welche sich der Ideologie und Strategie des Islam entgegenstellt – wo immer, wer immer –, wird vom Islam eliminiert werden. Der Islam steht für die Vorherrschaft seiner eigenen Ideologie und seines Programms. Er kümmert sich nicht im Geringsten darum, wer ihn unterstützt oder welche Einrichtungen und Autoritäten in diesem Prozeß überwunden werden (müßen). Der Islam verlangt nicht irgend ein Stück Land sondern die Vorherrschaft über den ganzen Erdball.«

»Seien wir doch ehrlich!« So Kamel Daoud auf die Frage, ob nicht die unbegrenzte Aufnahme von Flüchtlingen, wie Deutschland sie praktiziert, eine Maßnahme wäre, um den vom algerischen Schriftsteller und Intellektuellen als unlösbar akzentuierten Konflikt mit der islamischen Welt zu entschärfen. »Wenn ich«, so Daoud, »ein älterer deutscher Rentner mit kleinem Haus und kleiner Pension und meinem eigenen Lebensstil wäre und rund um mich herum die Leute ankommen sähe: Wie würde ich reagieren? Ich hätte Angst. Vielleicht würde ich mir eine Waffe zulegen.« [Die ZEIT, Nr. 11 (3. März 2016), S.46]

»Kennst du den Gegner«, bemerkte Sun Tze, »und kennst du dich, so magst du hundert Schlachten schlagen, ohne daß eine Gefahr besteht; kennst du dich, aber nicht den Gegner, so sind deine Aussichten auf Gewinn oder Verlust gleich; kennst du weder dich noch ihn, so wirst du in jeder Schlacht geschlagen werden.«

Es heißt, der Islam gehöre zu Deutschland. Wenn ich mir das Erscheinungsbild junger Männer auf unseren Straßen vergegenwärtige, insbesondere die dieser Tage verstärkt zu beobachtende Lust, einen Vollbart à la arabe zu tragen, kann ich mich nur schwer des Eindrucks erwehren, Deutschland sei bereits einen Schritt weiter und gehöre längst zum Islam.

 

Deutsche Zustände

Kneeb Wenedikt Kommandor: Wir schaffen das | 2016

 

Als die Kanzlerin erfuhr, dass ihre Partei bei allen drei als Test auf die von ihr betriebene Flüchtlingspolitik eingestuften Landtagswahlen Resultate eingefahren hatte, die als miserabel zu bezeichnen einem Euphemismus gleichkommt, ließ sie ausrichten, sie werde sich dazu jetzt nicht äußern, nicht an diesem Abend. Anderen Tags freilich kam sie nicht umhin, öffentlich Stellung zu beziehen. »Es gab Menschen«, so die Kanzlerin, immer noch leicht indigniert, vor laufenden Kameras, »die haben gar nicht zugehört und sind wählen gegangen und haben einfach Protest gewählt«. Man achte auf den Ton. So spricht keine Regierungschefin oder die Vorsitzende einer Partei, die gerade eine politische Schlappe erlitten hat, das klingt eher nach einer Gouvernante, die ihren Zöglingen ins Gewissen redet, fürderhin gefälligst aufzupassen, wenn sie das Wort ergreift und ihnen erklärt, wie sie sich zu verhalten haben. Nun ja. Als was erwarb die Kanzlerin sich noch gleich ihre ersten Sporen? Als FDJ-Kommissarin. Genau.

Im Vorfeld der Verhandlungen, die die EU auf Drängen der deutschen Regierung mit der Türkei einging, um zu einer Reduzierung der Flüchtlingszahlen zu gelangen, kam es zu einem Skandal, der hierzulande nur am Rande registriert wurde. In seiner Eigenschaft als Präsident des europäischen Parlaments sah Martin Schulz sich genötigt, ein Mitglied des hohen Hauses des Saales zu verweisen. Etwas Ungeheuerliches war geschehen, die Würde des Parlaments war aufs Übelste besudelt worden. Wie dem Präsidenten mitgeteilt worden war (er war zu diesem Zeitpunkt gerade abwesend), hatte ein Abgeordneter der griechischen, dem rechtsradikalen Lager zuzurechnenden Partei „Goldene Morgenröte" sich erdreistet, die Zuverlässigkeit der Türkei als Verhandlungspartner in Frage zu stellen. Sich auf »osmanische Wissenschaftler« berufend, hatte Eleftherios Synadinos, so der Name des Parlamentariers, erklärt, die Türken seien geistige Barbaren, gottesverachtend, Schwindler und schmutzig. »Der Türke ist wie der Hund, der den Wilden spielt, aber, wenn er gegen den Feind zu kämpfen hat, davonläuft. Der einzig effektive Weg, mit den Türken umzugehen, ist die Faust und Entschlossenheit.« Eine Diskussion über die Frage, ob eine Äußerung wie diese hinreicht, jemanden des Saales zu verweisen, ließ Martin Schulz nicht zu.

Unter dem Stichwort »Das tägliche Elend des Verfalls Europas« notierte Imre Kertész, der gerade eben verstorbene ungarische Schriftsteller und Nobelpreisträger, vor zehn Jahren bereits, was sich vor unseren Augen Tag für Tag aufs Neue abspielt: »Europa bittet den Islam um Gnade, zuckt und windet sich vor Ergebenheit. Dieses Schauspiel widert mich an. Feigheit und moralische Debilität werden Europa zerstören, seine Unfähigkeit sich zu verteidigen, und der offenkundige moralische Schlamassel, aus dem es seit Auschwitz nicht herausgefunden hat. Es begann mit einer Erhebung gegen die östliche Tyrannei (Perserkriege) und endet mit einer Kapitulation vor der unwürdigsten östlichen Macht (Palästinenser). Requiem aeternam ...«

 

tado ink | 18.04.2016 | Frontberichte
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