Gegen Ende von “Butcher’s Crossing”

John Williams

»Ihr jungen Leute«, sagte McDonald. »Ihr wollt immer von Grund auf neu anfangen. Das verstehe ich. Nur wollten Sie nicht glauben. dass jemand wusste, worauf sie aus waren, stimmt’s?«
»Ich habe nicht darüber nachgedacht«, sagte Andrews. »Vielleicht, weil ich selbst nicht wusste, was ich eigentlich wollte.«
»Wissen Sie es heute?«
Andrews wurde unruhig.

»Ihr jungen Leute«, sagte McDonald verächtlich. »Ihr denkt immer, es gäbe noch etwas herauszufinden.«
»Ja, Sir«, erwiderte Andrews.
»Nun, gibt es aber nicht«, sagte McDonald. »Man wird geboren und mit Lügen aufgepäppelt, wird mit Lügen abgestillt und lernt in der Schule ausgefallener zu lügen. Das ganze Leben baut auf Lügen auf, und dann, womöglich wenn es ans Sterben geht, wird einem klar – dass da nichts war, nichts außer einem selbst und dem, was man hätte tun können. Nur hat man es nicht getan, weil einem die Lügen weisgemacht haben, es gäbe etwas anderes. In dem Moment begreift man, dass man die Welt hätte erobern können, weil man der Einzige ist, der das Geheimnis kennt, nur ist es dann zu spät. Man ist zu alt.«
»Nein«, sagte Andrews. Ein unbestimmtes Entsetzen kroch aus der sie umgebenden Dunkelheit heran und schnürte ihm fast die Stimme ab. »So ist es nicht.«

 

Gegen Ende von “Butcher’s Crossing”

 

Exzerpt John Williams: Butcher’s Crossing. Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben. dtv. München 2015, S. 332f.

tado ink | 03.09.2020 | Stichijows Papiere
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