Josef W. Stalin

Anekdoten

Bei einem Kongress überreichte ein usbekisches Mädchen Stalin Blumen. Stalin nahm das Kind in die Arme und lächelte in die Kameras. Das Photo wurde später millionenfach verbreitet. Zwischen den Aufnahmen flüsterte Stalin, der Freund aller Kinder, dem neben ihm stehenden Berija etwas auf Georgisch ins Ohr: „Momaschore et tiliani." Das Mädchen behielt den Satz bis an ihr Lebensende: Aber erst sehr spät erfuhr es, was es mit dem Satz auf sich hat: „Schaff mir bloß die verlauste Göre vom Hals!"

Während einer Party im Kreml kam das Gespräch auch auf die Frage, was einem Mann wirklich Freude bereitet. Die Antworten waren absehbar: Wein, Frauen, Arbeit usw., das Übliche eben. Da meldete sich Stalin zu Wort und erklärte kategorisch: „Der höchste Genuss eines Mannes besteht darin, einen Freund in den Tod zu jagen und danach ein Glas guten georgischen Weins zu trinken." – Erzählt wird auch, Stalin habe den Befehl erteilt, die Erschießung hoher Parteifunktionäre zu photographieren und ihm die Bilder in den Kreml zu schicken. In den Stunden der Muße habe er sich, erzählt man, die Photos bringen lassen und sie mit nicht geringem Vergnügen betrachtet.

Als der Sarg Gorkijs in Moskau aufgebahrt war, umstanden ihn berühmte Schriftsteller und weinten bitterlich. Da betrat Stalin den Saal. Sofort hörten die Autoren auf zu weinen und applaudierten begeistert.

Am Beginn des 19. Jahrhunderts verfügte Graf Benkendorff, der Sicherheitschef des Zaren, über circa 500 Geheimagenten. Der Dekabrist Restel, der von Benkendorff verhaftet worden war, erklärte diesem, dass die Republikaner, sollten sie erst einmal an der Macht sein, 50.000 Agenten unter Vertrag nehmen würden. – Für Stalin waren das Kindereien. Auf der Höhe der Macht verfügte er über mindestens 5 Millionen Spitzel.

Nachdem Molotow den Hitler-Stalin-Pakt unterzeichnet hatte, brach Stalin in brüllendes Gelächter aus: „Ich habe Hitler betrogen, und er glaubt, er habe mich betrogen!"

Nicht lange vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Russland gestand Marshall Jegorow Stalin: „Fast alle Kommandeure der Roten Armee sind erschossen worden. Unter diesen Umständen ist es nicht eben leicht zu arbeiten und zu leben." – „Dir fällt das Leben schwer, ja?", sagte Stalin und befahl den Mann umgehend zu erschiessen.

Als Hitler der Sowjetunion den Krieg erklärte, saß Stalin am Radio, aber statt alarmiert zu sein, schlief er während der Rede seelenruhig ein. So sein Dolmetscher. Erst am kommenden Morgen scheint Stalin begriffen zu haben, was die Stunde geschlagen hat. Statt aber zu handeln, wie es der Situation angemessen gewesen wäre, verfiel er in eine Art Schockstarre oder, wie andere sagen, Depression. Ganze zwei Wochen lang, war Stalin für niemanden zu sprechen. Erst als die Deutschen bereits die Lufthoheit über Russland gewonnen hatten, raffte er sich auf, trat ans Mikrophon und hielt seine später legendär gewordene Rede an die Nation. Seinen Mitstreitern gegenüber bemerkte er nach einer Sitzung des Politbüros: „So haben wir ihn also verschissen, den Staat, den uns Lenin als Erbe hinterliess."

Es wird erzählt, in Moskau habe es einen Mann gegeben, den Hitler besonders gehasst habe, Levitan, ein Jude, dem es als Sprecher des Moskauer Rundfunks oblag, unter anderem alle Befehle Stalins zu verlesen. Nach der Eroberung Moskaus sollte dieser als erster dran glauben und auf dem Roten Platz gehängt werden. Gleich danach sollte der ob seiner giftigen antideutschen Pamphlete bekannte jüdische Schriftsteller Ilja Ehrenburg dran kommen, dann erst sollte mit Stalin kurzer Prozess gemacht werden. Es gibt hingegen auch Ohrenzeugen, die versichern, Hitler habe Stalin gar nicht hängen, sondern ihn vielmehr zum Gauleiter von Russland ernennen wollen, da er überzeugt war, nur ein Mann wie Stalin verstünde es, mit dem russischen Volk so umzugehen, wie mit ihm umgegangen werden müsse.

Als die Schlacht um Berlin dem Ende entgegenging, soll Hitler, während man ihm das Gift reichte, mit dem er sich das Leben nahm, gesagt haben: „Und vergessen Sie nicht, dem Genossen Stalin zu melden, dass sein Auftrag ausgeführt ist."

Stalin war nach Beendigung des Krieges fest entschlossen, die Siegesparade auf dem Roten Platz höchstpersönlich abzunehmen. Also besorgte man einen Schimmel, auf dem er zu reiten gedachte. Nach mehreren Versuchen, die allesamt nicht gerade glücklich verlaufen waren, sah Stalin sich gezwungen, von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen. So kam es, dass Marschall Schukow, auf einem Schimmel reitend, den Triumphzug auf dem Roten Platz abnahm.

„Einen solchen Gogol brauchen wir nicht", bemerkte Stalin, als er auf dem Weg zum Kreml wieder einmal an dem bekannten Gogol-Denkmal vorbeigefahren wurde. Der Gesichtsausdruck des Dichters gefiel ihm ganz und gar nicht, er erschien ihm viel zu traurig. Daraufhin wurde das Denkmal in ein Kloster verbannt und durch eines ersetzt, wie es die Proletarier brauchen, eines mit einem optimistisch dreinschauenden Gogol.

Stalin hatte in seinen Datschen mehrere Schlafzimmer, damit niemand genau wußte, in welchem Zimmer er übernachtete. Er wurde dabei von Soldaten bedient, die er durch ein Glockenzeichen rief. Ein neu eingestellter Soldat hatte Angst, mit seinen Stiefeln Lärm zu machen und zog sich daher weiche Pantoffeln an. Als Stalin dies bemerkte, ließ er Berija rufen und sagte zu ihm: „Begreifst Du es nicht, er will sich mir in der Nacht leise nähern und mich umbringen." Am selben Tag noch wurde der Soldat erschossen.

Am Ende seiner Tage vertraute Stalin überhaupt keinem Arzt mehr. Er ließ sich vielmehr von einem Offizier seiner Leibwache behandeln, der früher einmal Tierarzt gewesen war.

Hartnäckig halten sich in Moskau Gerüchte, wonach Stalin kurz vor seinem Tod noch mit der Endlösung der Judenfrage befasst war. Die Lösung, die ihm vorgeschwebt habe, sah folgendermassen aus: Auf dem Roten Platz sollten zuerst einmal alle jüdischen Ärzte hingerichtet werden, im Anschluss Progrome, um der Volkswut Ausdruck zu verleihen. Abschließend plante Stalin, alle in Moskau noch verbliebenen Juden nach Sibirien zu deportieren, und zwar so, dass mindestens die Hälfte der Deportierten bei der Reise auf der Strecke bleiben. Die Güterwagen für die Deportationen hätten, wie es heißt, auf der sibirischen Eisenbahn bereit gestanden. – In antisemitischen Kreisen Russlands zeigen sich hingegen bis in unsere Tage nicht wenige überzeugt, in Stalins Adern habe (wie in denen Hitlers) jüdisches Blut geflossen. Als Beweis dient der von Stalin früh schon abgelegte Familienname »Dshugaswili«. »Dshuga«, so das Argument, meint übersetzt nichts anderes als Jude und »Swili« stünde bekanntlich für Sohn. Ein Judensohn also.

Folgt man Daniiel L. Andrejew, einem Schriftsteller und Dichter mit okkulten Neigungen, dann zeichnet das 20. Jahrhundert aus, dass das Böse in ihm sich auf die Suche nach einer vollendeten Inkarnation seiner selbst in Menschengestalt begab. Hitler habe dem Bösen als Probe gedient, am Ende aber habe es sich für Stalin entschieden, da dieser nicht einmal Leute aus seiner nächsten Umgebung verschonte und von daher als grausamer eingestuft wurde als sein Kontrahent aus Deutschland.

Laut Polizeiberichten aus der Zarenzeit bestand das besondere Merkmal Jossip W. Stalins darin, an einem Fuss nur vier Zehen zu haben.

 

Josef W. Stalin

Komar & Melamid: Ich sah Stalin einst, als ich ein Kind war | 1981/82

 

[frei nach Jurij Borew: Staliniaden, ausgewählt u. übersetzt von Jurij Archipow, Wien u. Leipzig 1992]

tado ink | 11.10.2013 | Stichijows Papiere
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