Kalifornisches Tagebuch

18. Januar

Erdbeben in Los Angeles. Habe davon erst durch besorgte Anrufe aus Deutschland erfahren. Ohne die Sache herunterspielen zu wollen: die Katastrophe ist zu einem guten Teil ein Medienspektakel. Ein Erdbeben gleichen Ausmaßes irgendwo in Indien oder sonst wo hätte längst nicht die Aufmerksamkeit erfahren, wie dies mit dem Erdbeben im San Fernando Valley weltweit der Fall zu sein scheint.

»Killer Quake in L. A.«, nun ja, das sind 6.6 auf der nach oben hin offenen Richterskala, über vierzig Tote, Zehntausende ohne Wohnung, ein an entscheidenden Stellen kollabiertes Highway-System, gewiß –, aber auch das wohl größte Aufgebot an Kameras und Journalisten, das eine Naturkatastrophe je erfahren hat. – »With Greetings from Hollywood«. – Fakt ist, daß die über die Ostküste der Staaten hereingebrochene Kältewelle, wenn überhaupt, dann in Deutschland wohl nur eine Notiz auf der Bunten Seite, bis jetzt mehr Todesopfer gefordert hat als das Beben unterhalb der AndreasSpalte. Aber was ist schon Eis und Schnee, verglichen mit einem Erdbeben, und dann in L. A., dem am weitesten vorgeschobenen Außenposten des Westens. Erstaunlich bei all dem die Gelassenheit der Leute. Man beruhigt sich mit Verweis auf Murphys Gesetz: Wenn der geophysische Totalschlag Kalifornien wirklich ereilen sollte, dann kommt es, wie es kommen muß, und der Rest Amerikas versinkt im Atlantischen Ozean.

 

Kalifornisches Tagebuch

Cate Blanchett

tado ink | 23.01.2012 | Stichijows Papiere
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