Kalifornisches Tagebuch

10. Dezember

Woooooooow. Ich habe Amerikas Antwort auf political correctness entdeckt: Beavis and Butt-head. Da zuhause nicht verkabelt, bin ich auf diese Cartoonfiguren viel zu spät erst, hier in San Francisco, gestoßen. Ziemlich funny die beiden, höchst amüsant, dabei ätzend. Jungs in der Pubertät. Ohne ein Quentchen Esprit. So scheint es.

In der Öffentlichkeit umstritten, da jeder ihrer Akte den Anstand und die Sitte verletzt, bringen Beavis and Butt-head den ästhetischen Impetus amerikanischer Popkultur auf den Punkt: »That's cool, that sucks! Hööhöhöööhööööö.« 2pocalypse now! Ähnlich bescheuert wie die Jungs von Wayne's World, nur ohne deren Highschool-Gelaber, stellen Beavis and Butt-head, als Cartoon betrachtet, eine Verlängerung und Zuspitzung dessen dar, was man von den Simpsons her bereits kennt. Wie diese sind sie graffitymäßig modelliert, ähnlich den Simpsons frönen Beavis and Butt-head einer Lebensweise, deren Schmuddeligkeit und Sinnleere quer steht zu den WASPIdealen Altamerikas. Beavis and Butt-head sind aufdringlich, nervend, nicht selten obszön: »Destroy! Destroy! Destroy!«. Ihrem vulgär-sadistischen Witz gegenüber nehmen sich die Simpsons – so desolat deren Familienleben immer sein mag – geradezu liebenswürdig aus, auf ihre Art menschlich. Wie bei einer Seifenoper versöhnt jede Folge der Simpsons das Publikum durch ein happy end. Nicht so bei Beavis and Butt-head. Ihre Auftritte sind reines Cartoon, Slapstick durch und durch, eine Sequenz jagt die nächste, Abschlüsse gibt es keine, es geht immer weiter und weiter, die reinste Idiotie, dekonstruktiv verlängert: MTV pur. Und dann und wann ein VideoClip. Hööhöhoööhööööö!

 

tado ink | 14.12.2011 | Stichijows Papiere
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