Kapitulation auf der ganzen Linie

Alle Grenzen offen: Deutschland jetzt

Enteignet! Um und um wird enteignet, sage ich, überall unter mir wird enteignet, aus den fadenscheinigsten Gründen. Die Politiker enteignen hin und her. Hin und her wird enteignet. Sie enteignen und ruinieren. Die Natur wird ruiniert. Enteignet! rufe ich aus, ich sage: hoffentlich enteignet sich bald dieser Staat selber. Er möge sich schleunigst enteignen, rufe ich aus, entleiben! Es ist Zeit, daß sich dieser Staat bald selber enteignet! ...«

Genauso ist es, dachte ich, genauso. Man kann die Malaise, in der Mitteleuropa steckt, nicht besser auf den Punkt bringen, als wie es Fürst Saurau bei Thomas Bernhard getan hat. »Hin und her wird enteignet. Sie enteignen und ruinieren.« Die Natur ist bereits ruiniert. Total enteignet. Man schaue nur einmal raus, was sieht man? Keine Natur mehr, Asphalt nur, Hochspannungsleitungen, Beton, Sonnenkollektoren, Recycling-Höfe, Industrie- und Agrarkombinate, Wohnsiedlungen, Autos, Windräder, Werbeplakate und Müllverbrennungsanlagen. Eine total verbaute Landschaft, Bio-Natur eben. Garantiert klimaneutral, kundenfreundlich und nachhaltig.

Bei der Erziehung und Bildung sieht es nicht viel besser aus. Ebenfalls ruiniert in Folge staatlicher Enteignungsmaßnahmen. Keine Zeit für die Kids zum Spielen, Verwundern und Nachdenken, sie werden von früh an durch den Staat verwaltet. Erst der Kinderladen, dann der Kindergarten. Für die Schule bleiben 12 Jahre, die höheren Bildungsanstalten dienen der Vorbereitung auf den Beruf. Der Geist ist längst enteignet und von Politikern durch das Geld und ein ihm entsprechendes Zeitmanagement ersetzt worden. Kein Wunder, dass es an Schulen und Universitäten wie an der Börse zugeht. Verhandelt werden hier vornehmlich Werte und Workloads. Von Tugenden und Prinzipien ist lange schon nicht mehr die Rede. Wozu ein kritischer Geist, es reicht, wenn der einzelne sich politisch korrekt verhält, das heißt nach Maßgabe dessen, was Politiker je für wahr und richtig erachten.

Und was die letzten der Gesellschaft noch verbliebenen Bastionen des Widerstands anlangt, die Familie zum Beispiel –, auch diese wird über kurz oder lang enteignet, ruiniert. Der Staat arbeitet bereits daran. »Lasst tausend Geschlechter blühen!« trällern die Pussy-Girls des Zeitgeistes, warum die Ehe auf Mann und Frau beschränken, argumentiert die Schwulen-Fraktion, eine Regenbogenfamilie ist viel schöner, bunter, abenteuerlicher auch als so 'ne x-beliebige Kleinfamilie. Oder? Also weg damit, vollkommen überholt. Heben wir den besonderen Schutz von Ehe und Familie durch den Staat endlich auf. Enteignen wir die Heilige Familie, liquidieren wir ihre durch nichts und wieder nichts zu rechtfertigenden Privilegien. Wäre ja noch schöner, wenn das im Parlament nicht durchsetzbar wäre.

Nicht genug damit. Jetzt schickt der Staat sich an, die Gesellschaft selbst zu enteignen. Es geht nicht anders, sie wird als Ganzes enteignet und ruiniert. Unwillens oder unfähig einer seiner zentralen Aufgaben nachzukommen, dem Schutz der Grenzen, schreckt der Staat nicht davor zurück, das Volk als solches in Geiselhaft zu nehmen und es in den Zustand der totalen Mobilmachung zu versetzen. Eine ganze Nation wird beschlagnahmt, enteignet und umgepolt, das Land, in dem sie sich zu Hause wähnte, zur Transitzone erhoben, die ihm eigene Lebensart für null und nichtig erklärt. Schluß damit. Gewöhnt euch gefälligst daran, dass die Globalisierung vor der Provinz nicht halt macht. Von nun an gibt es Multi-Kulti nicht nur in Kreuzberg und Neukölln, sondern auch in Krawinkel und Kleinkleckersdorf. Ein Auffanglager für jede Gemeinde, wenn's hoch kommt, auch zwei. So die aktuelle Parole. Und wem's nicht passt, der kann ja gehen.

 

Kapitulation auf der ganzen Linie

Andrej Tarkovskij: Nostalghia (Still) | 1983

 

Ob die Politiker wissen, was sie tun, wenn sie ganz Mittel- oder Kontinentaleuropa enteignen, es in eine Bahnhofsmission für die islamische Welt umbauen? Ich weiß es nicht, ich höre nur: Das schaffen wir. Wenn nicht wir, wer dann? Und wenn alles nichts hilft, es gibt da eine, die wird's schon richten. Mutti hilf!

Zugegeben, es dürfte auf Erden, von Russland, China und Nord-Korea einmal abgesehen, kein Land geben, das in Sachen Lager- und Menschenverwaltung über einen derart üppigen Erfahrungsschatz verfügt wie Deutschland. Aber wollen wir das? Wollen wir das wirklich? Noch einmal Bio-Politik im großen Stil treiben? Noch einmal Millionen von Menschen internieren, sie mit Kleidung und Nahrung versorgen, sie registrieren, kontrollieren, um aus ihnen am Ende so etwas wie gute Deutsche zu machen? Und was ist das überhaupt, ein guter Deutscher? Was heißt das heute? Muss man Deutschland nicht hassen, um dieser Tage als guter Deutscher durchzugehen? Wie kriegt man das hin, Menschen auf ein Land einzuschwören, das zu hassen erste Bürgerpflicht ist? Und woher der Glaube, man könne Menschen, die erwachsen sind, so einfach umerziehen? Ist es nicht eine unerhörte Anmaßung, sie als Mündel zu betrachten, die fürsorgerisch unter die Fittiche des Bundesadlers genommen werden müssen, um dort ihre Wunden auszukurieren? Aber nein. Dahinter steckt nichts als die lauterste, beste Absicht.

So viel guter Wille wie heute war nie. Wie könnte es auch anders sein. Wer von jeher daran gewöhnt ist, vom Staat enteignet und entmündigt zu werden, für den gibt es nichts Schöneres, als dem Staat bei der Enteignung beizustehen, bei der Enteignung der anderen und bei der Enteignung seiner selbst. Sozialarbeit und Pädagogik nennt sich das bei uns, früher hieß das Fürsorge, hier wie da aber geht es um die Verwaltung des entmündigten Bürgers. Zum Wohle der Allgemeinheit, versteht sich. Auf Kosten des einzelnen ...

 

 

tado ink | 19.10.2015 | Logbuch
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