Sieben Zeichnungen

François Boucher

Auch auf die Gefahr hin, mich als Mann von Geschmack in Verruf zu bringen: ich mag François Boucher. Nicht unbedingt alles, was der Lieblingsartist der Pompadour und Großmeister des französischen Rokoko ins Werk gesetzt oder hat setzen lassen, aber doch so manches, etliche der Zeichnungen etwa, die es von seiner Hand gibt. Sie gehören, wenn ich so sagen darf, zum Entzückendsten, Betörendsten, ja Schönsten, was auf diesem Gebiet zu finden ist. So leichthändig, so ungezwungen und berückend, so hübsch.

Bestätigt fand ich mein Vergnügen an Boucher durch einen Katalog, auf den ich vor kurzem im Foyer eines deutschen Museums gestossen bin: François Boucher in North American Collections: 100 Drawings (1974). Der Katalog lag mit Hinz und Kunz in der Grabbel- und Wühlkiste des Museumsshops und erregte augenblicklich mein Interesse. Was für ein hübscher Katalog, dachte ich, so gut wie ungelesen und schon aussortiert. François Boucher auf dem Müll – das geht auf keinen Fall. So mein nächster Gedanke. Also hab ich den Band für'n Appel und 'n Ei gekauft. Zuhause angelangt, verbrachte ich herrliche Stunden damit, in dem Band zu blättern und zu stöbern, eine derart herrliche Zeit, dass ich mich entschloss (aus Dankbarkeit, aus reiner Dankbarkeit), eine Auswahl der Zeichnungen zu reproduzieren und sie dem geneigten Leser vor Augen zu führen.

Anfänglich war geplant, die Blätter einzeln zu publizieren, Stück für Stück, versehen mit einem ausführlichen Kommentar. Aber davon bin ich bald wieder abgerückt. Keine Zeit, zu viele Projekte unter der Hand, um zu erläutern, was mich an den Arbeiten Bouchers je frappiert, entzückt oder aber verwundert hat. Zu delikat, zu schwierig auch. Möge sich ein jeder selbst einen Reim auf das bilden, was er im folgenden zu sehen bekommt.

 

Sieben Zeichnungen

François Boucher: Entwurf für eine Uhr | 1765

Sieben Zeichnungen

François Boucher: Kopf eines Mädchens | 1740er (?)

Sieben Zeichnungen

François Boucher: Studie eines Ziegenbocks | ca. 1740er

Sieben Zeichnungen

François Boucher: Bacchanale | 1750er (?)

Sieben Zeichnungen

François Boucher: Drei Nymphen | 1749

Sieben Zeichnungen

François Boucher: Waldlandschaft mit fischenden Knaben | ca. 1745

Sieben Zeichnungen

François Boucher: Femme debout de dos | ca. 1740

 

Der Katalog, aus dem die oben abgebildeten Zeichnungen stammen, geht übrigens zurück auf eine Ausstellung, die 1974 in der National Gallery of Art in Washington und im Art Institute of Chicago stattfand. Verantwortlich für den Katalog und, wie ich vermute, für die Ausstellung zeichnet – Gott hab sie selig – Regina Shoolman Slatkin.

PS.: Nicht als ob ich Denis Diderot und das über den späten Boucher verhängte Verdikt, ein Maler ohne Anstand und höhere Wahrheit zu sein, nicht kennte. Es hat mich, offen gesagt, nie überzeugt. Ein Vorurteil, nichts weiter. Wer Anstand und Wahrheit sucht, hat ja doch, selbst wenn er den ehrenwerten Namen Diderot trägt, im Atelier eines Malers, in der Stube eines Musikers oder der Kammer eines Dichters nichts verloren; er täte besser daran, sich in die Kirche oder ins Labor zu begeben. Oder?

tado ink | 21.10.2013 | Kunstkammer
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