So wenig Leben wie gestern Abend war nie

Ein Wort zur Berliner Schule

Wenn sie doch nur in der Lage wären, Filme vom Schlage „Schneewittchen“ abzuliefern, dachte ich, als ich gestern Abend vor dem Fernseher saß und mir den ersten Teil von „Dreileben“ ansah, einer ambitionierten Film-Trilogie aus dem Hause Dominik Graf. Aber nein, das sind sie nicht, dazu sind sie ganz und gar nicht in der Lage. Weder der Chef selbst noch Christian Petzold oder Christoph Hochhäusler.

Offen gestanden, es gelingt den Jungs nicht einmal, auch nur eine einzige Szene zu fabrizieren, die es an Intensität, Solidität und Esprit mit einer beliebigen Sequenz aus Walt Disneys „Schneewittchen" aufnehmen könnte. Wie langweilig, wie hölzern, wie verklemmt. Und das soll realistisch sein? Ein Haufen blasser, ganz und gar uninteressanter Figuren, steife, bar jeden Witzes dahin dümpelnde Dialoge, nicht die geringste Spannung, von „Action", dem Grundstoff des Films, zu schweigen. Nein, Realismus, wenn es denn unbedingt Realismus sein muss, sieht anders aus. Was Dominik Graf & Co uns da vorgesetzt haben und seit Jahren unter großem Beifall der hiesigen Kinokritik vorsetzen, ist bestenfalls protestantisches Besinnungskino. Was für Käßmann und in ihrem Geiste veranstaltete Kaffeekränzchen. Dagegen nimmt sich ja das „Schweigen" von Ingmar Bergmann beredt aus. Also zurück auf die Schulbank, meine Herren Regisseure! Und nehmen Sie die Damen und Herren von der Kritik gleich mit. Erste Lektion: der Silly Song aus Schneewittchen.

 

tado ink | 30.08.2011 | Lichtspiele
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