Süße kleine Mädel

Notizen

Apropos Lena Meyer-Landruth – falls noch jemand am Phänomen interessiert sein sollte. Pop 'em up hat in den Papieren Stichijows ein einzelnes Blatt entdeckt, auf dem sich eine Notiz und etliche Zitate finden, die taugen, dem Phänomen Lena auf die Schliche zu kommen. Alles andere als eine unschuldige Veranstaltung, mehr als einfach nur ein Medien-Hype. Afanassij Stichijow kannte Lena natürlich nicht. Und doch... Vorsicht! Pop 'em up bringt das Blatt Stichijows unzensiert.

Denn es gibt kein kleines Mädel auf den Bildern des Pensionats, das nicht einen Tropfen jenes ewigen und königlichen Blutes in sich trüge, welches die großen Fürstinnen von einst erschuf. (Stéphane Mallarmé)

Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta. (Vladimir Nabokov)

Woher der Zauber junger Mädchen stammt? Statt im Leib spielt das Geschlechtliche bei ihnen einzig in der Seele. Es tanzt unbedarft auf dem Mundwinkel, wenn ich so sagen darf, statt sich wie bei reifen Frauen lockend in den Hüften zu wiegen. (Afanassij Stichijow)

 

Das junge Mädchen der Verleger. Das junge Mädchen der Chefredakteure. Das junge Mädchen, Schreckgespenst, Mörderin der Kunst. Das junge Mädchen, das was sie in Wirklichkeit ist.

Ein kleine Törin und eine kleine Schlampe; ein Höchstmaß an Einfältigkeit verbunden mit einem Höchstmaß an Verdorbenheit. Es gibt im jungen Mädchen die ganze Niedertracht des Strassenjungen und des Gymnasiasten. (Charles Baudelaire, Mon cœur mis à nu, xxxiii)

 

Süße kleine Mädel

Lena Meyer-Landruth

 

Wie eine gestockte Welle im Luftoceane war die Schaukel. Beim Herunter blickte ich in ihre Augen. Dann sah ich ihre Kniee, den Saum ihrer weissen Höschen – – –. Ich sagte: «Anna, ist es ihnen zu hoch?!» «Nein – – –.» Ich zog an dem Stricke in der Schaukel, hing mich an, zog, hinauf, höher, höher, höher – – – herunter! «Ah – – –» sagte sie und bückte sich ganz zusammen.«

Peter Altenberg: Landstädtchen: Die Mädchen (Wie ich es sehe, p. 233)

 

Als Vladimir Nabokov gefragt wurde, ob er es je bereut habe, als Verfasser eines Romans Weltruhm erlangt zu haben, der einen höchst zweifelhaften Ruf genießt, gab dieser zur Antwort: «Nein, Lolita werde ich nie bereuen. [...] Jenem mythischen Nymphchen ist ein sonderbarer, zarter Zauber eigen.»

 

Ich sandte dem herrlichen 11jährigen Kinde Margit K. einen selbstgebundenen Strauß von hellblauen Skabiosen und gelben Teerosen. Die Mama sandte den Strauß zurück mit dem Bemerken, ihr Töchterchen sei noch minderjährig. Ich schrieb: «Gnädige Frau, wann erfolgt die Volljährigkeitserklärung für Schönheit und Anmut?! Gott, Jesus Christus und die Dichter verstehen nichts von Kalenderberechnung!»

Peter Altenberg: Noch nicht einmal Splitter von Gedanken (Semmering 1912)

tado ink | 14.06.2010 | Stichijows Papiere
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