Tour de Vence

3 Beelzebuben unterwegs

Für all die, die immer noch nicht wissen, wohin es in diesem Jahr gehen soll, die sich nicht entscheiden können, ob Mallorca besser ist oder aber Sylt, ein Tip (direkt von der Kommandobrücke der Mortobello): Vence, Provence. 

Die Medusa vom Col de Vence

Der Col de Vence ist ein Bergpass im Südosten Frankreichs. Über ihn gelangt man von Coursegules, einer recht abgelegenen Ortschaft am Rande der Alpes-maritimes, nach Vence, einer provencalischen Kleinstadt, von der es nicht mehr weit bis Nizza ist. Der Scheitelpunkt des Passes liegt auf einer Höhe von 1140 Meter ü.M. Seine Bekanntheit verdankt er angehenden und abgehalfterten Radrennprofis, die ihn zwischen März und November als Trainingsgelände nutzen. Es heißt aber auch, auf dem Col de Vence gingen merkwürdige Dinge vor, am Gipfel spuke es, mehr als ein UFO sei dort bereits gesichtet worden.

Am 11. Mai 2009 widmete Nice-Matin dem Phänomen einen ausführlichen Artikel. Er zog sich über die gesamte letzte Seite des Blattes hin und war mit einem Photo illustriert, auf dem ein unbekanntes Flugobjekt abgebildet war, das ein Pariser Tourist behauptete, am Col de Vence beobachtet und photographiert zu haben. Um sich abzusichern, hatte Nice-Matin die Aufnahme den »Invisibles des Vence« vorgelegt, einer vor Ort aktiven Gesellschaft zur Erforschung unbekannter Flugobjekte. Ein Spezialist in Sachen Photoanalyse erklärte die Aufnahme für echt; das UFO selbst wurde auf den Namen »Die Medusa vom Col de Vence« getauft. Es ähnelte in der Tat ein wenig dem Haupt der Medusa, mehr aber einer Qualle, andere verglichen es einem Fallschirm mit einem Durchmesser von mehr als einem Dutzend Metern.

Der Photograph des Bildes und einzige Zeuge des Ereignisses, ein obskuren oder okkulten Anwandlungen scheinbar unverdächtiger Mann namens Julien, erklärte, das Photo sei von ihm gemacht worden, als er in der Gegend nach Fossilien gesucht habe. Er zeigte sich steif und fest überzeugt, das Objekt habe eine Weile in der Luft geschwebt und sich dann, unmittelbar nachdem er auf den Auslöser drückte, unversehens mit einer Geschwindigkeit von 1000 Metern die Sekunde im Steilflug davongemacht. Das Ereignis sorgte in französischen und internationalen UFO-Foren für jede Menge Gesprächsstoff. Nicht wenige sprachen von der bedeutendsten Beobachtung eines unbekannten Flugobjekts, die in Frankreich seit mehr als 10 Jahren angestellt worden war. Man war einhellig überzeugt, die Geschichte stimme und belege einmal mehr, dass der Col de Vence von außerirdischen Wesen heimgesucht wird.

Allein nach kurzer Zeit flog die gesamte Geschichte auf. Julien, der Augenzeuge aus Paris, vermeinte, er könne den Schwindel noch ein wenig weiter treiben. Unter dem Pseudonym eines Mr. Sully Sullivan aus London sandte er ein weiteres Photo der »Meduse« an Nice-Matin. Es erwies sich rasch als plumpe Fälschung. »Les Invincibles du Col de Vence« sahen sich wie andere UFO-Experten auch gezwungen einzuräumen, in diesem Fall einer Täuschung aufgesessen zu sein. Es heißt aber auch, hinter dem Schwindel stünden die »Invincibles« selbst; sie hätten die ganze Sache angezettelt, um den Absatz eines Buches zu steigern, das von ihnen eben erst aufgelegt worden war und die seltsamen Ereignisse am Col de Vence zum Gegenstand hat. Die erste Auflage des Buches war rasch vergriffen, eine zweite lässt bis heute auf sich warten.

 

tado ink | 08.07.2011 | Lichtspiele
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