Wieder eine Woche vorbei

Zwischenbericht

Wieder eine Woche vorbei, eine Woche voller Schlagzeilen, eine Woche reich an Nichtigkeiten. »VW verkauft so viele Autos wie nie zuvor«, titelte Spiegel online, auf der Medienseite der FAZ hieß es: »Ab in die Ostsee. Das ZDF versenkt Kaliningrad«, und Welt online wußte am Wochenende: »Was die Deutschen vom Kindermachen abhält«. Da bleib ich kühl, kein Gefühl.

Während die Presse und das Netz eine Nachricht nach der anderen raushauen, vertreibe ich mir die Zeit damit, den Pflichten, Gewohnheiten und Gelüsten nachzukommen, die der Tag mir bringt. Ich kümmere mich um den Haushalt (falls nötig um den Hof), setze eMails auf oder beantworte welche, schaue mir alte Filme an (»Shining«, »Lord of the Rings«, »300« allein in dieser Woche), koche (mal was Kleines, mal was Großes), höre Musik (im Moment Natalie Dessay), spiele regelmäßig Tennis, sitze in Kneipen rum, verteile Küsschen und Geburtstagsgrüße (oder aber auch nicht), unterbreite den Redaktionen überregionaler Blätter Texte, an denen kein Interesse besteht, laufe die Straßen der Stadt rauf und runter und schau zwischendurch in den Schnee, der gemächlich vom Himmel fällt.

 

Wieder eine Woche vorbei

Stanley Kubrick: 2001 – Odyssee im Weltraum (Filmstill) | 1968

 

Dabei macht man sich so seine Gedanken, nichts Besonderes, das will ich nicht gesagt haben, das Übliche eben: Wie es soweit hat kommen können, mit der Welt und mir? ob die Lage im Inneren und Äußeren als gut oder eher schlecht einzuschätzen ist, und was einen auf dieser Welt noch erwartet, wenn überhaupt. Mit anderen Worten: ich lebe das Leben eines Exilanten –, in Gedanken wenigstens begreife ich mich als Verschollenen, einer jener, die der Welt da draußen abhanden gekommen sind. Altes, leidiges Thema. Spielen wir es erneut durch. Fern der Heimat, gesellschaftlich weitgehend isoliert, richtet man sich ein, so gut es eben geht, sucht zugleich aber auf Tuchfühlung mit denen zu bleiben, die in der Öffentlichkeit den Ton angeben, gesellschaftlich und politisch. Vergebens – ein Verkehr mit Gespenstern nur. Wer nicht dazugehört und das wiederkäut, was alle im Munde führen, der bleibt draußen vor. Ein Sonderling, kaum mehr. – So verlockend und berauschend es immer ist, ein Leben gegen den Strich zu führen, es wäre fahrlässig, die Folgekosten zu unterschätzen, die es mit sich bringt. Trösten wir uns fürs erste mit dem Abbé Galiani: »Es ist eine schwere Krankheit, ein Leben, das so kurz ist und nicht zweimal kommt, nicht zu genießen. Glücklich, die an Seelenwanderung glauben!«

tado ink | 21.01.2013 | Logbuch
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